Wissenschaftliche Belege für Hypnose
Als neugieriger Mensch und Wissenschaftler frage ich mich schon lange, was hinter „5, 4, 3, 2 ,1 – Schnipp -> Hypnose!“ steckt. Falls es Ihnen ähnlich geht, können Sie durch die Tabelle unten surfen, klettern oder kraxeln. Manche Studien bieten Einblicke in die genauen Ergebnisse und in die Vorgehensweise der Wissenschaft, andere verraten sogar, mit welchen hypnotischen Interventionen gearbeitet wurde (z.B.“die Zigaretten sind Gift, gegen das sich Ihr Körper wehrt“ oder „der Schmerz im Zeh verändert seine Farbe bei jedem Auftreten von einem brennenden Rot zu einem angenehm kühlen Hellblau“).
Die Meisten der hier aufgeführten Studien sind RCT’s (sog. Gold-Standard der Forschung) oder Meta-Studien. Falls für die Forschung oder die Praxis relevant, habe ich auch Experimentalstudien mit aufgenommen. Beim Zusammentragen dieser Liste nutze ich die jährlich von Dr. Maria Hagl im Auftrag der M.E.G. besprochenen Untersuchungen sowie eigene Recherchen.
Bei meinen Recherchen, die bis ins 18. Jahrhundert – also zur Zeit der Teufelsaustreibungen mittels Suggestionen durch Johann Gaßner und des Magnetismus eines Anton Mesmer – zurückgehen, ist mir übrigens aufgefallen, dass die Erforschung der Hypnose seit mehr als 200 Jahren von fundamentaler Skepsis gegenüber ihren eigenen Methoden getrieben wird („noch nicht messbar genug, noch nicht verblindet genug, noch nicht unbiased genug, Stichprobe nicht groß genug“ etc.).
So enthält die aktuelle Bewertung von Hypnosestudien – z.B. durch Dr. Maria Hagl – die fast wörtlich gleichen Forderungen an die Hypnoseforschung, in Zukunft noch empirischer und sorgfältiger vorzugehen, wie sie schon in den Betrachtungen Christoph Hufelands (Arzt und Mitglied der königlichen Akademie der Wissenschaften) aus dem Jahr 1817 zu den, damals noch animalischer Magnetismus genannten, Formen der (Auto-) Suggestion Anton Mesmers zu finden sind. Die Hypnoseforschung scheint also einen hohen Anspruch an sich selbst zu haben.
Hinweis: Die Existenz dieser Studien garantiert keine 100%ige Wirksamkeit von Hypnose – wie bei jedem Heilmittel hängt der Erfolg von vielen Faktoren ab. Gleichzeitig bedeutet das Fehlen von Studien zu einem Symptom nicht, dass Hypnose dabei nicht helfen kann.
(Stand 07/2026)
Abnehmen
Der Wunsch mit Hypnose abzunehmen, ist einer der häufigsten, mit dem sich Menschen an mich wenden. Daher möchte ich hier eine etwas ausführlichere Einordnung der wissenschaftlichen Studienlage zu Hypnotherapie bei Übergewicht vornehmen.
Fast alle Arbeiten belegen Verbesserungen beim Essverhalten, beim Sättigungsempfinden und bei der Lebensqualität. Beim direkten Gewichtsverlust selbst ist die Datenlage unklar – nicht jede Studie findet hier einen Effekt gegenüber einer reinen Ernährungsberatung.
Zur Einordnung: Kontrollierte Studien zu Hypnose bei Übergewicht reichen bis in die frühen 1980er-Jahre zurück (u. a. Wadden & Flaxman, 1981), ein viel zitierter Übersichtsartikel von Wadden und Anderton fasste diese Literatur bereits 1982 zusammen. Die erste Meta-Analyse folgte 1995 (Kirsch, Montgomery & Sapirstein). Das Thema wird also seit über vier Jahrzehnten wissenschaftlich untersucht – die acht Studien unten sind eine Auswahl aktuellerer, besonders aussagekräftiger Arbeiten.
Ein Resumee zur Studienlage kann also lauten: Hypnotherapie zum Abnehmen kann eine sinnvolle, wissenschaftlich untersuchte Ergänzung zu einer bestehenden Ernährungs- und Verhaltensumstellung sein – vor allem, um Essverhalten, Sättigungsempfinden und Wohlbefinden zu verbessern. Ein Versprechen auf eine bestimmte Anzahl Kilogramm lässt sich daraus jedoch nicht ableiten. Interessant ist dabei, dass die Anwendung von Selbsthypnose einen nachweisbaren erheblichen Effekt auf Gewicht und Kalorienzufuhr hat.
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Studie |
Design & Stichprobe
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Ergebnisse
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Einordnung |
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RCT, 3 Gruppen, n=60 |
Kleine Stichprobe |
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RCT, n=120 (60 Hypnose+Selbsthypnose; 60 Kontrollgruppe) |
Hohe Studienqualität |
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24 Wochen dauernde Pilot-RCT, n=30 |
Pilotstudie |
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Meta-Analyse, 14 Studien |
Metastudie |
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Vorher-Nachher-Studie, n=32, ohne Kontrollgruppe |
Ohne Kontrollgruppe |
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narrative Übersichtsarbeit |
Literaturübersicht |
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RCT n = 80 (41 in Hypnose-Gruppe mit acht Sitzungen Hypnose mit Selbsthypnose-Training; 39 in Kontrollgruppe) mit acht Monaten Follow-up |
Hohe Studienqualität |
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RCT, n=82 (Hypnose 41; Kontrollgruppe 39) Nachbeobachtung nach 8 Monaten |
Hohe Studienqualität |
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Studie |
Design & Stichprobe
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Ergebnisse
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Einordnung |
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RCT, n=19 (9 Hypnose / 10 Vergleichsgruppe KVT) |
Kleine Stichprobe |
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6-Monats-Follow-up derselben Kohorte von Virta et al. 2010 |
Follow-up |
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Experimentalstudie, Stichprobe n=58 (27 ADHS, 31 Kontrollgruppe), Continuous Performance Test (CPT) vor/während/nach Hypnose |
Laborstudie |
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Einzelfall-Experimentalstudie mit einem Kind mit ADHS und LRS |
Einzelfallstudie |
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Konzeptioneller Fachartikel, keine eigene Datenerhebung |
Fachartikel |
Angst
Die Wirksamkeit von Hypnose zur Linderung von Ängsten wird schon seit den 1970ern und auch in vielen Studien erforscht. Viele dieser Untersuchungen waren bis in die späten 2010er Jahre nach heutigen Standards oft nicht ausreichend gut designed, um die Wirksamkeit aus heutiger Sicht zuverlässig nachzuweisen. Das hat sich in den späten 2010er Jahren geändert, so dass mittlerweile einige gut gestaltete Studien vorliegen, die eine gute Wirksamkeit von Hypnose bei diesem Thema nahelegen.
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Studie |
Design & Stichprobe
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Ergebnisse
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Einordnung |
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Metaanalyse für 18 randomisierte kontrollierte klinische Studien (RCTs) mit insg. 732 Proband*innen |
ältere Metaanalyse überwiegend vor 1990 veröffentlichte Studien mit relativ kleinen Stichprobben (<25) |
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Auswertung von 14 RCTs mit n=693 |
Systematisches Review |
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Narrativer Übersichtsartikel, kein systematisches Suchverfahren |
Unsystematisches Review |
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Literaturübersicht der Psychotherapy and Counselling Federation of Australia (PACFA), 10 Studien zu Schmerz und Angst gemeinsam |
kleine, wenig systematische Studienbasis Psychotherapy and Counselling Federation of Australia (PACFA) ist ein Berufsverband für Psychotherapeut*innen und Berater*innen |
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Meta-Analyse, 15 Studien / 17 Vergleiche |
Aktuellste Meta-Analyse, robustester Befund |
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RCT mit n=36 (18 Hypnose; 18 Kontrollgruppe) Hypnosegruppe erhielt 8–12 Einzelsitzungen Hypnotherapie über drei Monate, die andere zunächst Warteliste und danach ebenfalls Behandlung |
Konzeptbeitrag |
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RCT mit n=36 Oberstufenschülern mit sozialer Angst (18 Hypnose; 18 Kontrollgruppe; |
kleiner experimenteller Pretest-Posttest-Vergleich |
Wenn Sie mehr zu Hypnose bei Tierangst erfahren möchten, können Sie meinen Artikel „Das Schönste an Hypnose“ lesen, in dem ich über eine Sitzung mit einer Klientin schreibe, die jahrzehntelang an Angst vor Katzen litt.
Depression
Die Studienlage zu Hypnose bei Depression ist vergleichsweise ergiebig: Allein die Tübinger Arbeitsgruppe um Fuhr und Batra hat mit einer großen RCT und zwei Langzeit-Follow-ups eine der aussagekräftigsten Evidenzbasen unter allen hier gelisteten Indikationen vorgelegt. Fuhr et al. haben auch ein Manual zur Behandlung von Depression mit Hypnose herausgegeben, auf welchem auch meine Arbeit mit Menschen basiert, die an dieser Symptomatik leiden.
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Studie |
Design & Stichprobe
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Ergebnisse
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Einordnung |
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Hohe Studienqualität bislang größte und methodisch strengste RCT zu eigenständiger Hypnotherapie bei Depression |
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Follow-up bestätigt Stabilität der Ergebnisse aus Fuhr et al. 2021 |
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Follow-up aussagekräftig, aber durch Teilnahmequote unter 50% eingeschränkt |
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Add-on-Design Hypnose als Ergänzung zu KVT getestet |
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Laborstudie |
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Meta-Analyse |
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Meta-Analyse |
Dissoziative Bewegungsstörungen
„Dissoziative Störungen“ ist keine einheitlich abgegrenzte Kategorie. Fast die gesamte kontrollierte Studienlage zu Hypnose betrifft Konversionsstörung/FND (Functional Neurological Symptom Disorder) — die nach ICD-10 „dissoziativ“ heißt, nach DSM-5 aber nicht. Für DIS (dissoziative Identitätsstörung), dissoziative Amnesie und Depersonalisation/Derealisation existieren bisher praktisch nur Fallstudien.
Die beste verfügbare Evidenz kommt aus den Niederlanden (Moene et al.) und betrifft die Konversionsstörung (motorischer Typ) — nicht DIS.
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Studie |
Design & Stichprobe
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Ergebnisse
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Einordnung |
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RCT |
Fibromyalgie
Weltweit sind schätzungsweise 2.7% der Bevölkerung von Fibromyalgie betroffen. Die Forschung zu Hypnose bei Fibromyalgie (FM) reicht über mehr als drei Jahrzehnte und über zahlreiche Sprachräume hinweg – von den Niederlanden, Italien, Spanien, Mexiko über Frankreich bis nach Deutschland, Chile, die Türkei und Brasilien.
Am besten belegt sind wahrscheinlich Effekte der Hypnose bei FM auf Schmerzintensität, Schlaf und Erschöpfung. Die aktuellste Metaanalyse (Zech et al. 2017 – siehe unten) fand klinisch relevanten Nutzen bei Schmerzlinderung und psychischer Belastung. Allerdings wurden die ausgewerteten Studien aufgrund hohen Bias-Risikos als qualitativ niedrigqualitativ bezeichnet.
Die deutsche S3-Leitlinie (erstmals Thieme et al. 2008, aktuell Köllner et al. 2017) empfiehlt Hypnose/geleitete Imagination mit einer offenen Empfehlung: „Hypnose kann [bei Fibromyalgie] in kognitiv-verhaltenstherapeutische und tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapien integriert werden“.
Nicht jede der hier vorgestellten Einzelstudien zeigt einen klaren Vorteil: Sowohl Castel et al. (2007) als auch Picard et al. (2013) fanden im primären Ergebnismaß keinen Unterschied zur Kontrollbedingung, und selbst Bernardy et al. (2011) urteilten trotz signifikanter Effektstärke, die Evidenz reiche noch nicht für eine Therapieempfehlung.
Neuere, größer angelegte RCTs (Aravena et al. 2020, Ozgunay et al. 2024, Dorta et al. 2024) fallen positiv aus, wurden aber laut Hagl (2024) teils nicht prospektiv registriert, was die Qualität dieser Studien einschränkt. Insgesamt ist die Evidenz vielversprechend, aber noch nicht abschließend gesichert.
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Studie |
Design & Stichprobe
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Ergebnisse
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Einordnung |
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RCT |
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Experimentalstudie |
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Placebokontrolliert |
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Metastudie |
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RCT |
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RCT |
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Metaanalyse |
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RCT |
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RCT |
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RCT |
Hitzewellen nach der Menopause
Die Forschungslage zu Hypnose bei Hitzewellen nach der Menopause ist ungewöhnlich konzentriert: Nahezu alle vorliegenden randomisiert-kontrollierten Studien stammen aus einer einzigen Arbeitsgruppe – dem Mind-Body Medicine Research Laboratory von Prof. Gary Elkins an der Baylor University (Texas), das seine methodischen Vorarbeiten zunächst an Hitzewallungen bei Brustkrebs-Überlebenden (u. a. Elkins et al. 2008) entwickelte, bevor 2013 die erste RCT speziell zu postmenopausalen Frauen ohne Krebsvorgeschichte erschien. Die Ergebnisse seines Forschungsteams flossen in die Entwicklung der Hypnose-App evia ein, mit der Hitzewallungen in Selbsthypnose gelindert werden sollen.
Die nordamerikanische Menopause Society stuft Hypnose in ihrem Positionspapier zu nicht-hormonellen Therapien seit 2015 als Verfahren mit Level-1-Evidenz ein (aktualisiert 2023), und Elkins et al. 2013 lieferten mit einer physiologisch verifizierten Reduktion der Hitzewallungen einen Wirksamkeitsnachweis, der zuvor keiner anderen Verhaltensintervention gelungen war.
Eine aktuelle Scoping-Review (Muñiz et al. 2025) bestätigt zudem einen Vorteil gegenüber der zweiten empfohlenen Alternative, der kognitiven Verhaltenstherapie: Während KVT vor allem die Alltagsbeeinträchtigung lindert, reduziert Hypnose auch Häufigkeit und Schweregrad der Hitzewallungen selbst. Eine 2025 veröffentlichte RCT zeigte darüber hinaus, dass eine vollständig selbst-administrierte, audiobasierte Form der Hypnose ohne Therapeut*innen-Kontakt ähnliche Effekte erzielt und damit den Zugang deutlich erleichtert.
Einschränkend bleibt: Die Zahl unabhängiger RCTs ist mit vier bis fünf Arbeiten noch klein, alle stammen aus demselben Studienzentrum, und eine formale Meta-Analyse mit Bias-Bewertung steht laut den Autor*innen der jüngsten Übersichtsarbeit noch aus.
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Studie |
Design & Stichprobe
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Ergebnisse
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Einordnung |
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Experimentalstudie |
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RCT |
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Sekundäranalyse |
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Scoping Review |
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RCT |
Leistungsfähigkeit unter Stress
Libido
Medienabhängigkeit
Migräne
Prüfungsangst
Wenn Sie mehr zu Hypnose bei Prüfungsangst erfahren möchten, können Sie meinen Artikel „Hypnose bei Prüfungsangst: Wissenschaftlich belegt & gut umsetzbar“ lesen.
Platzangst (Agoraphobie)
PTSD-Symptome
Raucherentwöhnung
Die Studienlage zu Hypnose zur Raucherentwöhnung ist äußerst ergiebig. Und liefert mehrdeutige Ergebnisse, die stark vom Format der Studie abhängen.
Ältere unkontrollierte Fallserien berichten hohe Erfolgsquoten, liefern aber kaum belastbare Wirksamkeitsaussage. Die einzige systematische Metaanalyse (Cochrane, Barnes et al. 2019) sieht über 14 randomisiert-kontrollierte Studien hinweg einen möglichen, aber statistisch noch nicht gesicherten Zusatznutzen gegenüber anderen Verhaltensinterventionen.
Eine methodisch besonders strenge Studie zum Format „Einzelne Gruppenhypnose-Sitzung“ fand keinen Vorteil gegenüber einer Gruppenentspannung – im reinen Gruppenformat scheint eine einzelne Sitzung allein nicht auszureichen.
Deutlich ermutigender sind dagegen individuellere, mehrsitzige Ansätze: Die bislang größte und aktuellste RCT (Batra et al. 2024) erzielte mit einem mehrwöchigen Hypnotherapie-Programm nach 12 Monaten Ergebnisse auf Augenhöhe mit einem etablierten verhaltenstherapeutischen Verfahren.
Hypnotherapie ist seit 2006 vom Wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie als wissenschaftliches Verfahren für Rauchentwöhnung anerkannt. Die aktuelle S3-Leitlinie der AWMF stuft sie als mögliche Behandlungsoption ein.
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Studie |
Design & Stichprobe
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Ergebnisse
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Einordnung |
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Historischer Ausgangspunkt aus 2026-Sicht niedrige Studienqualität |
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Replikationsstudie bestätigt Stabilität der Ergebnisse aus Fuhr et al. 2021 jedoch auch hier eher niedrige Studien-Qualität |
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RCT hohes Bias-Risiko wegen Wartelisten-Kontrollgruppe (Kontrollarm wusste, später ebenfalls Hypnose zu erhalten) |
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Meta-Studie Methodik von 1992, viel zitiert, allgemeine Metaanalyse, keine hypnosespezifische Einzelstudie |
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Große Stichprobe |
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Pilotstudie |
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Pilotstudie |
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RCT |
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RCT |
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RCT |
Reizdarm und -magen (Funktionelle gastrointestinale Störung)
Reizdarm ist eines der am gründlichsten erforschten Anwendungsgebiet der klinischen Hypnose überhaupt. Die erste kontrollierte Studie stammt von 1984 aus Manchester; seither ist eine mittlerweile vierzig Jahre alte, international breit abgestützte Evidenzbasis entstanden, die von Großbritannien über Österreich, die Niederlande, Frankreich und Russland bis nach China, Japan und Südkorea reicht.
Für den Reizmagen (funktionelle Dyspepsie) ist die Studienlage dagegen deutlich dünner und stützt sich im Kern auf eine einzige, aber methodisch sorgfältige RCT.
Die jährlichen Studienübersichten von Dr. Maria Hagl im Auftrag der M.E.G. haben das Thema wiederholt aufgegriffen: 2015 wurde die Meta-Analyse von Schaefert et al. als eine von wenigen mit insgesamt niedrigem Verzerrungsrisiko hervorgehoben; 2017 und 2018 diskutierte Hagl neuere pädiatrische und add-on-Designs (u. a. Rutten et al., Berens et al.) vor dem Hintergrund der bereits gut etablierten Wirksamkeit der reinen Bauchhypnose, auch im Gruppensetting; 2019 war die IMAGINE-Studie (Flik et al.) einer von zwei zentral besprochenen RCTs des Jahres; 2021 hob sie die große Non-Inferiority-Studie von Hasan et al. zu 6 vs. 12 Sitzungen hervor. Auch die M.E.G. selbst nennt „Bauchhypnose bei Reizdarmsyndrom“ auf ihrer Wissenschaftsseite explizit als eines der am besten belegten Einsatzgebiete für die begleitende Behandlung somatischer Beschwerden – auch wenn Hypnotherapie beim Reizdarm (anders als bei Schmerz und Prozedurenangst) keine eigenständig durch den Wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie (WBP) anerkannte Indikation ist.
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Studie |
Design & Stichprobe
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Ergebnisse
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Einordnung |
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Historischer Ausgangspunkt |
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RCT |
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Follow-up |
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RCT |
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Metaanalyse deutschsprachiger Raum |
Reizdarm, auch Reizdarmsyndrom (IBS) genannt, ist eines der am besten belegten Anwendungsgebiete der Hypnose. Über mehrere Jahrzehnte, Länder und Sprachräume hinweg zeigt sich, dass Bauchhypnose nach dem Manchester- oder North-Carolina-Protokoll bei mittelschweren bis schweren, therapieresistenten Verläufen zu Ansprechraten zwischen 40 und über 80 % führt, mit einer langen Wirkdauer von mehreren Jahren.
Bemerkenswert ist, dass Gruppenhypnose der Einzelhypnose in mehreren großen Studien nicht unterlegen war – das erleichtert den praktischen Zugang erheblich und wird in fast allen aktuellen Metaanalysen positiv hervorgehoben.
Für den Reizmagen (auch als funktionelle Dyspepsie bekannt) ist die Datenlage dagegen deutlich schmaler und stützt sich im Kern auf die Studie von Calvert et al. (2002); weitere große RCTs scheinen bislang noch nicht vorhanden. International anerkannte Leitlinien (u. a. NICE in Großbritannien, die American Gastroenterological Association) empfehlen Hypnose entsprechend als evidenzbasierte Option beim therapieresistenten Reizdarm, während die Evidenz beim Reizmagen für eine vergleichbar starke Empfehlung noch nicht ausreicht.
In Deutschland ist Bauchhypnose zwar keine eigenständig vom WBP anerkannte Indikation, gilt laut M.E.G. aber als eine der am besten belegten begleitenden Anwendungen von Hypnose bei somatischen Beschwerden. Auffällig ist außerdem, wie international breit dieses Feld beforscht wird – von Österreich und den Niederlanden über Frankreich und Russland bis nach Ostasien –, was für ein robustes, kulturübergreifend replizierbares Phänomen spricht statt für einen reinen Placebo-Effekt.
Außerdem kann folgender Artikel im deutschen Ärzteblatt interessant sein: Webartikel „Trance gegen Bauchweh: Die Wirksamkeit medizinischer Hypnose“ in: Deutsches Ärzteblatt 5/2016 (aufgerufen am 21.4.2026)
Schlafprobleme
Die Forschung zu Hypnose bei Schlafproblemen reicht von kontrollierten Studien in Großbritannien Ende der 1970er-Jahre (Anderson, Dalton & Basker, 1979; Stanton, 1989) über eine seit 2014 sehr aktive experimentelle Forschungslinie an den Universitäten Zürich und Freiburg (Schweiz) unter Björn Rasch und Maren Cordi – die im Schlaflabor per EEG zeigen konnte, dass hypnotische Suggestionen den Tiefschlafanteil (Slow-Wave-Sleep) messbar verlängern, bei älteren Menschen um bis zu 57 % – bis zu klinischen RCTs aus den USA (vor allem die Arbeitsgruppe um Gary Elkins, Baylor University) und Hongkong (Lam & Chung).
Am besten belegt sind Effekte auf die subjektive Schlafqualität und die Einschlaflatenz; für die objektive Gesamtschlafdauer ist die Befundlage gemischter. Die bislang einzige Meta-Analyse (Lam et al., 2015; 13 RCTs, n=502) fand eine signifikant verkürzte Einschlaflatenz gegenüber Wartelisten-Kontrollen, jedoch keinen Unterschied gegenüber Scheinhypnose, bei insgesamt niedriger methodischer Qualität der eingeschlossenen Studien.
Der aktuellste systematische Review (Wofford et al., 2023; 44 Studien) bestätigt ein insgesamt uneinheitliches, aber überwiegend positives Bild, das sich deutlich verbessert (54,5 % statt 47,7 % positive Befunde), wenn Studien Schlafstörung als Einschlusskriterium und schlafspezifische Suggestionen verwenden. Sowohl die europäische Leitlinie der European Sleep Research Society als auch die deutsche S3-Leitlinie „Nicht erholsamer Schlaf/Schlafstörungen“ nennen Hypnotherapie als vielversprechenden, der Kognitiven Verhaltenstherapie für Insomnie (KVT-I) evidenzmäßig aber unterlegenen Ansatz.
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Studie |
Design & Stichprobe
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Ergebnisse
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Einordnung |
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Fallserie |
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Follow-up-Fallserie |
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Experimentalstudie |
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Experimentalstudie |
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Metaanalyse |
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Systematisches Review |
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RCT |
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Machbarkeitsstudie |
Schlafverbesserung
Vielleicht finden Sie dieses Video von Prof. Björn Rasch zur Selbstwirksamkeit bei Schlafschwierigkeiten interessant: https://youtu.be/jH6MJUwchcQ?si=jl4prICRlyyL14PK
Schmerz
Soziale Angst
Stress
Tinnitus
Tinnitus (lat. tinnire = klingeln) bezeichnet die Wahrnehmung von Geräuschen im Ohr oder Kopf ohne eine wirkliche äußere Ursache. Man unterscheidet den sehr seltenen objektiven Tinnitus (tatsächlich im Körper erzeugte, z. B. ärztlich mit dem Stethoskop hörbare Geräusche) vom weit überwiegenden subjektiven Tinnitus, der nur von den Betroffenen selbst wahrgenommen wird und einer Phantomwahrnehmung des Hörsystems entspricht. Nach der Dauer wird zwischen akutem (< 3 Monate) und chronischem Tinnitus (> 3 Monate) unterschieden; nach der Ursache zwischen primärem/idiopathischem Tinnitus (keine Ursache feststellbar) und sekundärem Tinnitus (z. B. nach Hörsturz, Lärmtrauma oder Trommelfellriss).
Schätzungen zufolge sind 10–15 % der Bevölkerung zumindest zeitweise von Tinnitus betroffen; in Deutschland gelten rund 2–3 Millionen Menschen als chronisch betroffen, bei etwa 1 % der Gesamtbevölkerung führt er zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Lebensqualität. Der wichtigste Risikofaktor ist Schwerhörigkeit (über 90 % der Betroffenen haben einen zumindest geringgradigen Hörverlust), die Häufigkeit des Symptoms steigt mit dem Lebensalter, Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen. Chronischer Tinnitus kann mit Ängsten, depressiven Symptomen und Schlafstörungen einhergehen. Da eine Beseitigung des Geräuschs nur beim seltenen objektiven Tinnitus (s.o.) möglich ist, zielen die meisten Therapieansätze beim häufigen subjektiven Tinnitus nicht auf dessen Verschwinden, sondern auf Habituation – eine Gewöhnung. Dabei tritt das Geräusch im Alltag zunehmend in den Hintergrund und der Leidensdruck sinkt. Hier setzen auch die meisten der unten aufgeführten Hypnose-Studien an: Gemessen wird überwiegend die Belastung durch den Tinnitus.
Im Vergleich zu Reizdarm oder Fibromyalgie ist die Forschung zu Hypnose bei Tinnitus kleinteiliger geblieben: Fallstudien zur erfolgreichen Behandlung des seltenen objektiven Tinnitus mittels Hypnose gehen auf die 1940er zurück. Die Hypnoseforschung zum subjektiven Tinnitus scheint erst in den 1950ern etwas Fahrt aufzunehmen. Anfangs auch hier als Fallstudien – jedoch auch später handelt sich fast durchweg um kleine bis mittelgroße Studien einzelner Arbeitsgruppen, z.B. aus Großbritannien, Israel, den USA, Deutschland und Belgien.
Eine gepoolte Metaanalyse oder ein Cochrane-Review zu Hypnose speziell bei Tinnitus existiert bislang nicht, anders als etwa bei Reizdarm oder Depression. Namhafte Tinnitus-Forschungszentren in den Niederlanden, Italien, Spanien oder Frankreich haben – soweit mit bekannt – noch keine eigenen kontrollierten Studien zu Hypnose beigetragen. Häufig mituntersuchteangrenzende Symptome sind Angst, Depression, Schlafstörungen sowie die gesundheitsbezogene Lebensqualität.
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Studie |
Design & Stichprobe
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Ergebnisse
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Einordnung |
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unkontrollierte Studie |
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kontrollierte Studie |
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Frühe RCT |
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RCT |
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RCT mit aktiver Kontrollgruppe |
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Größte bislang vorliegende Stichprobe |
Insgesamt liefert die seit 1983 über viele Länder verstreute Studienlage konsistente Hinweise darauf, dass Hypnose bei einem Teil der Tinnitus-Betroffenen die subjektive Belastung, Lebensqualität und angrenzende Symptome wie Angst, Depression und Schlafstörungen verbessern kann, ohne dass sich Lautstärke oder objektive Wahrnehmung des Ohrgeräuschs selbst zuverlässig verändern. Methodisch handelt es sich überwiegend um kleine, unkontrollierte oder nur schwach kontrollierte Verlaufsstudien. Placebokontrollierte RCTs mit ausreichender Fallzahl fehlen bis heute, und selbst die größte Stichprobe (Ross et al. 2007, n=393) verglich nur mit einer Wartelistengruppe statt einer aktiven Kontrollbedingung. Die methodisch strengste Arbeit, die randomisierte Studie von Mason et al. (1996), fand trotz geringer messbarer Unterschiede zwischen Beratungs- und Hypnosegruppe – ein größeres „allgemeines Besserungsgefühl“ in der Hypnosegruppe und schließt, „dass der Einsatz von Hypnose im Vergleich zu einer Beratungssitzung eindeutig zu einer deutlich besseren subjektiven Linderung der Tinnitus-Symptome führt„.
Allerdings muss dieser Befund in ein größeres Bild der gesamten Tinnitus-Behandlungsforschung eingefügt werden. Dobie (1999) kam nach Sichtung von 69 RCTs zu sämtlichen gängigen Behandlungen bei Tinnitus – von Antikonvulsiva über Psychotherapie bis Hypnose – zum Schluss, keine Methode sei bislang über Placebo-Niveau hinaus etabliert. Ein aktuelles Update der Studienlage von Langguth et al. (2023) bestätigt diesen Befund im Kern, wobei sich seit 1999 eine Ausnahme herauskristallisiert hat: kognitive Verhaltenstherapie, die – gestützt auf einen Cochrane-Review inzwischen von praktisch allen aktuellen Leitlinien als bislang einzige Methode uneingeschränkt empfohlen wird.
So nimmt es nicht Wunder, dass die deutsche S3-Leitlinie „Chronischer Tinnitus“ in erster Linie kognitive Verhaltenstherapie empfiehlt und Hypnose nicht als eigenständig evidenzbasierte Therapieoption nennt. Auch aktuelle englischsprachige Übersichten (u. a. Tinnitus UK, Stand 2024) kommen daher zu dem Schluss, dies bleibe ein unterbeforschtes Feld mit vielversprechenden, aber noch nicht ausreichend abgesicherten Einzelbefunden.
Warzen (Verruca vulgaris)
Erklärungen: n – Anzahl der Versuchspersonen | HT – Hypnosetherapie | KVT – Kognitive Verhaltensterapie | RCT – Randomized Controlled Trial (randomisierte Kontrollstudie) experimentelles Studiendesign, Goldstandard der empirischen Forschung | monozentrisch – findet vollständig an einem einzigen Studienzentrum statt | rater-blind – Person, die Testergebnisse oder Antworten bewertet, weiß nicht, zu welcher Gruppe (Testgruppe oder Kontrollgruppe) die Versuchsperson gehört | zweiarmig – Teilnehmer in zwei Gruppen (Arme) unterteilt: Experimentalgruppe erhält die neue Behandlung, während die Kontrollgruppe eine Standardbehandlung oder Placebo erhält | Bias – die Ergebnisse von Studien können durch Voreingenommenheit der Forschenden, Ausstattung der Studienorte, Normen innerhalb von Wissenschaftler*innen-Gruppen etc. beeinflusst werden, z.B. wenn eine überzeugte Studienleiterin eine mehrdeutige Selbstauskunft wie „ich hab kaum noch geraucht“ bei der Hypnose-Gruppe eher als „abstinent“ wertet als bei der Kontrollgruppe. | Fallserie – Sammlung von Berichten über mehrere Patienten mit ähnlichem Problem, die dieselbe Behandlung bekommen haben, ohne Vergleichsgruppe oder Zufallszuteilung.
