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Hypnose-Studien

Wissenschaftliche Belege für Hypnose

Als neugieriger Mensch und Wissenschaftler frage ich mich schon lange, was hinter „5, 4, 3, 2 ,1 – Schnipp -> Hypnose!“ steckt. Falls es Ihnen ähnlich geht, können Sie durch die Tabelle unten surfen, klettern oder kraxeln. Manche Studien bieten Einblicke in die genauen Ergebnisse und in die Vorgehensweise der Wissenschaft, andere verraten sogar, mit welchen hypnotischen Interventionen gearbeitet wurde (z.B.“die Zigaretten sind Gift, gegen das sich Ihr Körper wehrt“ oder „der Schmerz im Zeh verändert seine Farbe bei jedem Auftreten von einem brennenden Rot zu einem angenehm kühlen Hellblau“).

Die Meisten der hier aufgeführten Studien sind RCT’s (sog. Gold-Standard der Forschung) oder Meta-Studien. Falls für die Forschung oder die Praxis relevant, habe ich auch Experimentalstudien mit aufgenommen. Beim Zusammentragen dieser Liste nutze ich die jährlich von Dr. Maria Hagl im Auftrag der M.E.G. besprochenen Untersuchungen sowie eigene Recherchen.

Bei meinen Recherchen, die bis ins 18. Jahrhundert – also zur Zeit der Teufelsaustreibungen mittels Suggestionen durch Johann Gaßner und des Magnetismus eines Anton Mesmer – zurückgehen, ist mir übrigens aufgefallen, dass die Erforschung der Hypnose seit mehr als 200 Jahren von fundamentaler Skepsis gegenüber ihren eigenen Methoden getrieben wird („noch nicht messbar genug, noch nicht verblindet genug, noch nicht unbiased genug, Stichprobe nicht groß genug“ etc.).
So enthält die aktuelle Bewertung von Hypnosestudien – z.B. durch Dr. Maria Hagl – die fast wörtlich gleichen Forderungen an die Hypnoseforschung, in Zukunft noch empirischer und sorgfältiger vorzugehen, wie sie schon in den Betrachtungen Christoph Hufelands (Arzt und Mitglied der königlichen Akademie der Wissenschaften) aus dem Jahr 1817 zu den, damals noch animalischer Magnetismus genannten, Formen der (Auto-) Suggestion Anton Mesmers zu finden sind. Die Hypnoseforschung scheint also einen hohen Anspruch an sich selbst zu haben.

Hinweis: Die Existenz dieser Studien garantiert keine 100%ige Wirksamkeit von Hypnose – wie bei jedem Heilmittel hängt der Erfolg von vielen Faktoren ab. Gleichzeitig bedeutet das Fehlen von Studien zu einem Symptom nicht, dass Hypnose dabei nicht helfen kann.

(Stand 07/2026)


Abnehmen

Der Wunsch mit Hypnose abzunehmen, ist einer der häufigsten, mit dem sich Menschen an mich wenden. Daher möchte ich hier eine etwas ausführlichere Einordnung der wissenschaftlichen Studienlage zu Hypnotherapie bei Übergewicht vornehmen.

Fast alle Arbeiten belegen Verbesserungen beim Essverhalten, beim Sättigungsempfinden und bei der Lebensqualität. Beim direkten Gewichtsverlust selbst ist die Datenlage unklar – nicht jede Studie findet hier einen Effekt gegenüber einer reinen Ernährungsberatung.

Zur Einordnung: Kontrollierte Studien zu Hypnose bei Übergewicht reichen bis in die frühen 1980er-Jahre zurück (u. a. Wadden & Flaxman, 1981), ein viel zitierter Übersichtsartikel von Wadden und Anderton fasste diese Literatur bereits 1982 zusammen. Die erste Meta-Analyse folgte 1995 (Kirsch, Montgomery & Sapirstein). Das Thema wird also seit über vier Jahrzehnten wissenschaftlich untersucht – die acht Studien unten sind eine Auswahl aktuellerer, besonders aussagekräftiger Arbeiten.

Ein Resumee zur Studienlage kann also lauten: Hypnotherapie zum Abnehmen kann eine sinnvolle, wissenschaftlich untersuchte Ergänzung zu einer bestehenden Ernährungs- und Verhaltensumstellung sein – vor allem, um Essverhalten, Sättigungsempfinden und Wohlbefinden zu verbessern. Ein Versprechen auf eine bestimmte Anzahl Kilogramm lässt sich daraus jedoch nicht ableiten. Interessant ist dabei, dass die Anwendung von Selbsthypnose einen nachweisbaren erheblichen Effekt auf Gewicht und Kalorienzufuhr hat.

Studie

Design & Stichprobe
Ergebnisse

Einordnung

Stradling et al.
1998

RCT, 3 Gruppen, n=60

  • Hypnose-Arm mit Stressfokus zeigte nach 18 Monaten signifikanten Gewichtsverlust (–3,8 kg)

Kleine Stichprobe

Bo et al.
2018

RCT, n=120 (60 Hypnose+Selbsthypnose; 60 Kontrollgruppe)

  • bessere Sättigung, Lebensqualität und CRP-Wert
  • regelmäßige Selbsthypnose-Nutzer verloren mehr Gewicht und verringerten Kalorienzufuhr erheblich

Hohe Studienqualität

Greetham et al.
2016

24 Wochen dauernde Pilot-RCT, n=30

  • „Virtueller Magenband“-Hypnose und klassischer Entspannungshypnose wirken gleich gut

Pilotstudie

Milling et al.
2018

Meta-Analyse, 14 Studien

  • Große gepoolte Effektstärke (d=1,58) für Hypnose vs. Kontrolle

Metastudie

Erşan & Erşan
2020

Vorher-Nachher-Studie, n=32, ohne Kontrollgruppe

  • BMI-Rückgang sowie günstigere Hormonwerte (Leptin, Adiponektin, Irisin)

Ohne Kontrollgruppe

Roslim et al.
2021

narrative Übersichtsarbeit

  • Hypnose und Selbsthypnose sind in Kombination mit Ernährungsaufklärung vielversprechende Interventionen, um Patienten im Umgang mit Adipositas zu unterstützen

Literaturübersicht

Delestre et al.
2022

RCT n = 80 (41 in Hypnose-Gruppe mit acht Sitzungen Hypnose mit Selbsthypnose-Training; 39 in Kontrollgruppe) mit acht Monaten Follow-up

  • in Hypnose-Gruppe nach 8 Monaten geringerer Enthemmungswert
  • BMI-Wert in Hypnose-Gruppe signifikant geringer
  • Hypnose und Selbsthypnose können bei adipösen Personen mit hoher Disinhibition die tieferliegenden Mechanismen des Essverhaltens deutlich verbessern

Hohe Studienqualität

Miling et al.
2022

RCT, n=82 (Hypnose 41; Kontrollgruppe 39) Nachbeobachtung nach 8 Monaten

  • Essverhalten deutlich verbessert
  • Nach Nachbeobachtungszeit von 8 Monaten: niedrigere Werte für Enthemmung in Hypnose-Gruppe
  • Gewichtsunterschied knapp nicht signifikant (p=0,052)

Hohe Studienqualität


ADHS

Die Studienlage zur Wirksamkeit von Hypnose zur Verbesserung der Symptome von ADHS ist aktuell (Sommer 2026) noch relativ dünn.

Studie

Design & Stichprobe
Ergebnisse

Einordnung

Virta et al.
2010

RCT, n=19 (9 Hypnose / 10 Vergleichsgruppe KVT)

  • Beide Gruppen zeigten reduzierte ADHS-Symptome
  • kein Unterschied direkt nach Behandlungsende

Kleine Stichprobe

Hiltunen et al.
2014

6-Monats-Follow-up derselben Kohorte von Virta et al. 2010

  • Im Follow-up zeigte sich ein Vorteil für Hypnotherapie gegenüber KVT, obwohl direkt nach Behandlung kein Unterschied bestand

Follow-up

Virta et al.
2015

Experimentalstudie, Stichprobe n=58 (27 ADHS, 31 Kontrollgruppe), Continuous Performance Test (CPT) vor/während/nach Hypnose

  • Signifikant kürzere Reaktionszeiten nach hypnotischer Suggestion bei ADHS
  • Verbesserung der Performance im Continuous Performance Test
  • Personen mit ADHS genauso hypnotisierbar wie Menschen ohne

Laborstudie

Hery-Niaussau et al.
2022

Einzelfall-Experimentalstudie mit einem Kind mit ADHS und LRS

  • Signifikante Verbesserung von Aufmerksamkeit und Selbstwert

Einzelfallstudie

Podhorodecki
2026

Konzeptioneller Fachartikel, keine eigene Datenerhebung

  • Stellt neuen therapeutischen Rahmen („Existential Hypnotherapy“) vor

Fachartikel


Angst

Die Wirksamkeit von Hypnose zur Linderung von Ängsten wird schon seit den 1970ern und auch in vielen Studien erforscht. Viele dieser Untersuchungen waren bis in die späten 2010er Jahre nach heutigen Standards oft nicht ausreichend gut designed, um die Wirksamkeit aus heutiger Sicht zuverlässig nachzuweisen. Das hat sich in den späten 2010er Jahren geändert, so dass mittlerweile einige gut gestaltete Studien vorliegen, die eine gute Wirksamkeit von Hypnose bei diesem Thema nahelegen.

Studie

Design & Stichprobe
Ergebnisse

Einordnung

Flammer
2006

Metaanalyse für 18 randomisierte kontrollierte klinische Studien (RCTs) mit insg. 732 Proband*innen

  • Hypnotherapie scheint bei Angststörungen wirksam zu sein

ältere Metaanalyse

überwiegend vor 1990 veröffentlichte Studien mit relativ kleinen Stichprobben (<25)

Coelho, Canter & Ernst
2007

Auswertung von 14 RCTs mit n=693

  • Gesamtevidenz als unzureichend eingestuft
  • Studien geben Hinweise, dass Hypnose bei Ängsten wirksam sein könnte

Systematisches Review

Hammond
2010

Narrativer Übersichtsartikel, kein systematisches Suchverfahren

  • Sieht „überzeugende Evidenz“ für Zustandsangst (z. B. vor OPs/Untersuchungen) und angstassoziierte Beschwerden

Unsystematisches Review

Davis (PACFA)
2015

Literaturübersicht der Psychotherapy and Counselling Federation of Australia (PACFA), 10 Studien zu Schmerz und Angst gemeinsam

  • mäßige bis große positive Vorteile und Auswirkungen von Hypnose bei Schmerz- und Angstlinderung

kleine, wenig systematische Studienbasis

Psychotherapy and Counselling Federation of Australia (PACFA) ist ein Berufsverband für Psychotherapeut*innen und Berater*innen

Valentine et al.
2019

Meta-Analyse, 15 Studien / 17 Vergleiche

  • Große Effektstärke (d=0,79) am Behandlungsende
  • noch größer im Follow-up (d=0,99)
  • durchschnittlicher Hypnose-Teilnehmer verbesserte sich mehr als 84% der Kontrollgruppenteilnehmer
  • am wirksamsten in Kombination mit anderen Verfahren (z.B. KVT)

Aktuellste Meta-Analyse, robustester Befund

Fuhr et al.
2023

RCT mit n=36 (18 Hypnose; 18 Kontrollgruppe) Hypnosegruppe erhielt 8–12 Einzelsitzungen Hypnotherapie über drei Monate, die andere zunächst Warteliste und danach ebenfalls Behandlung

  • Hypnotherapie ist zur Reduktion von Symptomen von Agoraphobie effektiver als Kontrollgruppe

Konzeptbeitrag

Shayrun et al.
2025

RCT mit n=36 Oberstufenschülern mit sozialer Angst (18 Hypnose; 18 Kontrollgruppe;
sechs Hypnotherapie-Sitzungen über drei Wochen; Blutdruck, Puls und Herzrate wurden vor und nach einer öffentlichen Sprechaufgabe gemessen

  • Hypnose-Gruppe hat deutlich geringere autonome Stressreaktionen als Kontrollgruppe
  • signifikante Abnahme von Blutdruck, Puls und Atemfrequenz

kleiner experimenteller Pretest-Posttest-Vergleich

Wenn Sie mehr zu Hypnose bei Tierangst erfahren möchten, können Sie meinen Artikel „Das Schönste an Hypnose“ lesen, in dem ich über eine Sitzung mit einer Klientin schreibe, die jahrzehntelang an Angst vor Katzen litt.


Depression

Die Studienlage zu Hypnose bei Depression ist vergleichsweise ergiebig: Allein die Tübinger Arbeitsgruppe um Fuhr und Batra hat mit einer großen RCT und zwei Langzeit-Follow-ups eine der aussagekräftigsten Evidenzbasen unter allen hier gelisteten Indikationen vorgelegt. Fuhr et al. haben auch ein Manual zur Behandlung von Depression mit Hypnose herausgegeben, auf welchem auch meine Arbeit mit Menschen basiert, die an dieser Symptomatik leiden.

Studie

Design & Stichprobe
Ergebnisse

Einordnung

Fuhr et al.
2021

  • monozentrische RCT
  • zweiarmig, rater-blind
  • n=152 randomisiert zu KVT oder Hypnotherapie
  • 16–20 ambulante Einzelsitzungen über 6 Monate
  • Hypnotherapie war KVT nicht unterlegen
  • Ergebnis bestätigt sich auch in den 6- und 12-Monats-Follow-ups

Hohe Studienqualität

bislang größte und methodisch strengste RCT zu eigenständiger Hypnotherapie bei Depression

Fuhr et al.
2023a

  • Sekundäranalyse derselben Kohorte
  • n=136 von 152 randomisierten Patient:innen verfügbar
  • Verlauf über 12-Monats-Follow-up
  • Remissionsraten und Zeit bis zur Remission
  • Verbesserungen blieben im 12-Monats-Verlauf erhalten
  • kein bedeutsamer Unterschied zwischen HT und KVT bei Remissionsraten und Zeit bis zur Remission

Follow-up

bestätigt Stabilität der Ergebnisse aus Fuhr et al. 2021

Fuhr et al.
2023b

  • Sekundäranalyse derselben Kohorte
  • n=71 Teilnehmer:innen (46,7% der ursprünglich 152 Randomisierten),
  • Verlauf über 12-Monats-Follow-up
  • 3,5-Jahres-Follow-up derselben Kohorte
  • Nichtunterlegenheit von HT gegenüber KVT bestätigt sich auch 3,5 Jahre nach Behandlungsende

Follow-up

aussagekräftig, aber durch Teilnahmequote unter 50% eingeschränkt

Alladin & Alibhai
2007

  • RCT
  • n=98 randomisiert (84 Teilnehmer, 86% Abschlussquote
  • 16 Wochen KVT vs. CH („Cognitive Hypnotherapy“=KVT+Hypnose) bei chronischer Depression
  • Beide Gruppen deutliche Verbesserung
  • CH-Gruppe am Behandlungsende mit signifikant größeren Veränderungen bei Depression (BDI), Angst (BAI) und Hoffnungslosigkeit (BHS) als KVT-Gruppe

Add-on-Design

Hypnose als Ergänzung zu KVT getestet

Chiu, Lee & Lam
2018

  • Prospektive RCT
  • Patient:innen mit Angst-, Depressions- oder gemischter Angst-Depressions-Diagnose
  • 8 Wochen
  • Hypnose-Gruppe mit 5–7 Sitzungen vs. Kontrollgruppe mit konventioneller psychiatrischer Behandlung
  • Hypnose-Gruppe zeigte am Ende der 8 Wochen Verbesserungen über mehrere klinische Skalen hinweg, u. a. bei Angst- und depressiven Symptomen

Laborstudie

Souza et al.
2024

  • Systematisches Review mit Meta-Analyse über sieben RCTs
  • Untersuchungszeitraum (2004-2024)
  • GRADE-bewertet.
  • Die Evidenz reicht nicht aus, um Hypnotherapie klinisch zu empfehlen
  • 85 % der eingeschlossenen RCTs hatten ein hohes Bias-Risiko
  • Keine Hinweise auf relevante Nebenwirkungen.

Meta-Analyse

Milling et al
2019

  • Meta-Analyse über 10 Studien/13 Hypnose-Trials.
  • Effektstärke d = 0,71 am Behandlungsende (vergleichbar mit CBT/interpersoneller Therapie),
  • d = 0,52 im Follow-up.
  • Fazit der Autoren: Hypnose ist eine sehr wirksame Depressionsbehandlung.

Meta-Analyse


Dissoziative Bewegungsstörungen

„Dissoziative Störungen“ ist keine einheitlich abgegrenzte Kategorie. Fast die gesamte kontrollierte Studienlage zu Hypnose betrifft Konversionsstörung/FND (Functional Neurological Symptom Disorder) — die nach ICD-10 „dissoziativ“ heißt, nach DSM-5 aber nicht. Für DIS (dissoziative Identitätsstörung), dissoziative Amnesie und Depersonalisation/Derealisation existieren bisher praktisch nur Fallstudien.

Die beste verfügbare Evidenz kommt aus den Niederlanden (Moene et al.) und betrifft die Konversionsstörung (motorischer Typ) — nicht DIS.

Studie

Design & Stichprobe
Ergebnisse

Einordnung

Moene, Spinhoven, Hoogduin & van Dyck
2003

  • RCT
  • n=44
  • Konversionsstörung motorischer Typ
  • wöchentliche ambulante Hypnosebehandlung vs. Wartelisten-Kontrolle
  • 6-month follow-up
  • Hypnosegruppe zeigte signifikante Verbesserung gegenüber Warteliste
  • Verbesserung war auch nach 6 Monaten noch vorhanden

RCT

  • Hypnose als alleinige/primäre Intervention wirksam gegenüber Nichtbehandlung

Fibromyalgie

Weltweit sind schätzungsweise 2.7% der Bevölkerung von Fibromyalgie betroffen. Die Forschung zu Hypnose bei Fibromyalgie (FM) reicht über mehr als drei Jahrzehnte und über zahlreiche Sprachräume hinweg – von den Niederlanden, Italien, Spanien, Mexiko über Frankreich bis nach Deutschland, Chile, die Türkei und Brasilien.

Am besten belegt sind wahrscheinlich Effekte der Hypnose bei FM auf Schmerzintensität, Schlaf und Erschöpfung. Die aktuellste Metaanalyse (Zech et al. 2017 – siehe unten) fand klinisch relevanten Nutzen bei Schmerzlinderung und psychischer Belastung. Allerdings wurden die ausgewerteten Studien aufgrund hohen Bias-Risikos als qualitativ niedrigqualitativ bezeichnet.

Die deutsche S3-Leitlinie (erstmals Thieme et al. 2008, aktuell Köllner et al. 2017) empfiehlt Hypnose/geleitete Imagination mit einer offenen Empfehlung: „Hypnose kann [bei Fibromyalgie] in kognitiv-verhaltenstherapeutische und tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapien integriert werden“.

Nicht jede der hier vorgestellten Einzelstudien zeigt einen klaren Vorteil: Sowohl Castel et al. (2007) als auch Picard et al. (2013) fanden im primären Ergebnismaß keinen Unterschied zur Kontrollbedingung, und selbst Bernardy et al. (2011) urteilten trotz signifikanter Effektstärke, die Evidenz reiche noch nicht für eine Therapieempfehlung.

Neuere, größer angelegte RCTs (Aravena et al. 2020, Ozgunay et al. 2024, Dorta et al. 2024) fallen positiv aus, wurden aber laut Hagl (2024) teils nicht prospektiv registriert, was die Qualität dieser Studien einschränkt. Insgesamt ist die Evidenz vielversprechend, aber noch nicht abschließend gesichert.

Studie

Design & Stichprobe
Ergebnisse

Einordnung

Haanen et al.
1991

  • RCT
  • n=40
  • refraktorische Fibromyalgie
  • Hypnotherapie vs. Physiotherapie über 12 Wochen
  • Follow-up nach 24 Wochen
  • Hypnosegruppe signifikant besser bei Schmerzerleben, morgendlicher Erschöpfung, Schlafmuster und Gesamteinschätzung
  • 80% der Hypnosegruppe (vs. 35 %) reduzierten Paracetamol-Dosis
  • kein Unterschied im TMS Dolorimeter-Messwert

RCT

  • eine der ersten kontrollierten Studien (RCT) zu Hypnose bei Fibromyalgie

Castel et al.
2007

  • 3-armiges Experiment
  • n=45
  • 1 Gruppe Hypnose mit Entspannung-Suggestionen, 1 Gruppe Hypnose mit Schmerzlos-Suggestionen und 1 Gruppe mit Entspannungstechnik
  • jede Gruppe wurde je 20 Minuten behandelt
  • Hypnosegruppe mit Schmerzlos-Suggestion hat größeren Effekt auf Schmerzintensität und sensorische Dimension des Schmerzes als Hypnose mit Entspannung-Suggestion
  • Hypnose mit Entspannung-Suggestion hat keinen größeren Effekt als Entspannungstechnik
  • Inhalt der Suggestionen (Analgesie) entscheidet, nicht das Label „Hypnose“

Experimentalstudie

  • kleine Stichprobe
  • Durchführung nicht vollständig standardisiert

Álvarez-Nemegyei et al.
2007

  • RCT
  • n=43 Frauen
  • Ericksonianische Hypnose vs. Scheinhypnose über 6 Monate alle 15 Tage für je ~60 Minuten (Σ 420 min)
  • Kein Unterschied bei Fibromyalgie-Impact-Fragebogen (FIQ) und Krankheits-Globaleinschätzung
  • ab Monat 3–4 signifikant stärkere Reduktion der Tender-Point-Zahl (Anzahl schmerzhafter Druckpunkt) in Hypnosegruppe

Placebokontrolliert

  • gemischtes Ergebnis

Bernardy et al.
2011

  • Systematisches Review mit Metaanalyse
  • 6 Quasi-CT Studien
  • n=239
  • signifikante Reduktion von Schmerzen bei Hypnose / geführter Visualisierung
  • kein Effekt auf Lebensqualität

Metastudie

  • Bernardy et al. beurteilen Wirksamkeit aufgrund geringer Studienqualität eher zurückhaltend

Castel et al.
2012

  • RCT
  • n=93
  • drei Arme: medikamentöse Standardbehandlung / KVT / KVT+Hypnose mit je 28 Stunden Intervention (entspricht der Dauer anderer psychologischer Behandlungen bei FM)
  • Follow-up nach 3 und 6 Monaten
  • KVT und KVT+Hypnose sind Standardbehandlung bei Schmerz, Katastrophisieren, Funktionsfähigkeit und Schlaf überlegen
  • Schmerzintensität: Nach der Behandlung berichteten 31–33,3 % der Patienten über klinisch bedeutende Verbesserungen
  • Hinzufügen von Hypnose zu KVT erhöhte die Effektivität bei Schmerzintensität und psychischer Belastung leicht

RCT

  • Hohe Studienqualität

Picard et al.
2013

  • RCT
  • 2-armig
  • n=59 Frauen (30 Hypnose, 29 Warteliste)
  • 5 nicht standardisierte Hypnosesitzungen (à 1 Stunde) über 2 Monate vs. Wartelisten-Kontrolle
  • Follow-up nach 3 und 6 Monaten
  • kein Unterschied zwischen Hypnose- und Kontrollgruppe bei Fibromyalgie-Impact-Fragebogen (FIQ)
  • in Hypnosegruppe statistisch signifikanter, aber klinisch geringer Effekt bei Schmerzreduktion
  • Hypnosegruppe bewertet nach 3 und 6 Monaten Gesundheit besser, Beschwerden geringer
  • Hypnosegruppe zeigt signifikante Verbesserung bei Schlaf und Schmerzdramatisierung (Coping Strategies Questionnaire) nach 6 Monaten
  • Hypnose scheint stärker auf kognitive/emotionale Aspekte von Fibromyalgie zu wirken als auf den Schmerz selbst

RCT

  • Hypnosen waren nicht standardisiert
  • Kaum Hypnose-Effekt auf Schmerz

Zech et al.
2017

  • Metaanalyse
  • 7 RCTs mit n=387 (GI/H vs. Kontrolle) + 2 RCTs mit N=95 (Hypnose+KVT vs. KVT allein)
  • Niedrigqualitative Evidenz für:
  • Hypnose hat klinisch relevanten Nutzen bei ≥50 % Schmerzlinderung und psychischer Belastung ggü. Kontrollgruppen
  • Hypnose + KVT bei psychischer Belastung wirksamer als nur KVT
  • Hypnose mit ≥30 % Schmerzlinderung im 3-Monats-Follow-up
  • Hypnose mit Reduktion von durchschnittlichem Schmerz und Schlafproblemen im 3-Monats-Follow-up.

Metaanalyse

Aravena et al. 2020

  • RCT
  • n=97
  • Audio-aufgezeichnete Selbsthypnose (30 Tage lang 1x täglich für 12 Minuten ) vs. Kontrollgruppe unter Standardbehandlung
  • 1 Monats- und 5-Monats Follow up
  • TN nutzeten Audio-aufgezeichnete Selbsthypnose an etwa 25 von 30 Tagen
  • Signifikante Reduktion der Schmerzintensität und –interferenz, der Fatigue-Intensität und -interferenz und der depressiven Symptome in der Audiohypnose-Gruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe und zu den Werten vor Audio-aufgezeichneter Selbsthypnose

RCT

  • Große Stichprobe
  • reine Audio-Selbsthilfe

Ozgunay et al.
2024

  • RCT
  • n=47 randomisiert (3 standardisierte Hypnosesitzungen + 6 Monate Selbsthypnose vs. Kontrollgruppe
  • Nach 6 Monaten in Hypnosegruppe signifikant geringere Schmerzintensität, FMS-Symptomatik, Depression und Angst und größeres Wohlbefinden als in Kontrollgruppe

RCT

  • Standardisierte Hypnosesesitzungen
  • Studie nicht prospektiv registriert

Dorta et al.
2024

  • RCT
  • N=49 (98 % Frauen)
  • 24 Hypnose- vs. 25 Kontrollgruppe „unstrukturiertes Gespräch“
  • je 8 Sitzungen
  • Follow-up nach 21 Wochen
  • Hypnose dämpfte Schmerzempfinden (Analgesie) dauerhaft
  • Hypnose veränderte sowohl die sinnlich als auch emotional fühlbaren Seiten des Schmerzes
  • Hypnose + Pharmakotherapie wirkt stärker als nur Pharmakotherapie
  • Hypnose verbesserte mentale Gesundheit, Schlafqualität und Lebensqualität
  • Hypnose verringerte den Einfluss von Fibromyalgie auf Alltag

RCT

  • verblindete Auswertung (rater-blind)
  • Studie nicht prospektiv registriert

Hitzewellen nach der Menopause

Die Forschungslage zu Hypnose bei Hitzewellen nach der Menopause ist ungewöhnlich konzentriert: Nahezu alle vorliegenden randomisiert-kontrollierten Studien stammen aus einer einzigen Arbeitsgruppe – dem Mind-Body Medicine Research Laboratory von Prof. Gary Elkins an der Baylor University (Texas), das seine methodischen Vorarbeiten zunächst an Hitzewallungen bei Brustkrebs-Überlebenden (u. a. Elkins et al. 2008) entwickelte, bevor 2013 die erste RCT speziell zu postmenopausalen Frauen ohne Krebsvorgeschichte erschien. Die Ergebnisse seines Forschungsteams flossen in die Entwicklung der Hypnose-App evia ein, mit der Hitzewallungen in Selbsthypnose gelindert werden sollen.

Die nordamerikanische Menopause Society stuft Hypnose in ihrem Positionspapier zu nicht-hormonellen Therapien seit 2015 als Verfahren mit Level-1-Evidenz ein (aktualisiert 2023), und Elkins et al. 2013 lieferten mit einer physiologisch verifizierten Reduktion der Hitzewallungen einen Wirksamkeitsnachweis, der zuvor keiner anderen Verhaltensintervention gelungen war.

Eine aktuelle Scoping-Review (Muñiz et al. 2025) bestätigt zudem einen Vorteil gegenüber der zweiten empfohlenen Alternative, der kognitiven Verhaltenstherapie: Während KVT vor allem die Alltagsbeeinträchtigung lindert, reduziert Hypnose auch Häufigkeit und Schweregrad der Hitzewallungen selbst. Eine 2025 veröffentlichte RCT zeigte darüber hinaus, dass eine vollständig selbst-administrierte, audiobasierte Form der Hypnose ohne Therapeut*innen-Kontakt ähnliche Effekte erzielt und damit den Zugang deutlich erleichtert.

Einschränkend bleibt: Die Zahl unabhängiger RCTs ist mit vier bis fünf Arbeiten noch klein, alle stammen aus demselben Studienzentrum, und eine formale Meta-Analyse mit Bias-Bewertung steht laut den Autor*innen der jüngsten Übersichtsarbeit noch aus.

Studie

Design & Stichprobe
Ergebnisse

Einordnung

Elkins, Johnson, Fisher et al.
2013

  • Pilotstudie ohne Kontrollgruppe
  • n=13 postmenopausale Frauen mit ≥7 Hitzewallungen/Tag bzw. ≥50/Woche
  • 5 wöchentliche Sitzungen geführter Selbsthypnose per Audioaufnahme
  • Hitzewallungshäufigkeit um durchschnittlich 72 % reduziert
  • Hitzewallungsstärke um 76 % reduziert

Experimentalstudie

  • ohne Kontrollgruppe
  • Vorstufe zur großen RCT (nächste Zeile) und zur späteren Selbsthypnose-RCT von 2025

Elkins, Fisher, Johnson, Carpenter & Keith
2013

  • RCT
  • einfach verblindet
  • n=187 postmenopausale Frauen mit ≥7 Hitzewallungen/Tag bzw. ≥50/Woche
  • 5 wöchentliche Einzelsitzungen klinische Hypnose vs. „Structured-Attention“-Kontrollgruppe
  • Follow-up nach 12 Wochen
  • Hitzewallungshäufigkeit: −74,2 % (Hypnose) vs. −17,1 % (Kontrolle)
  • Hitzewallungsscore: −80,3 % vs. −15,4 %
  • auch physiologisch per Hautleitfähigkeit verifizierte Reduktion
  • verbesserter Schlaf und höhere Behandlungszufriedenheit

RCT

  • Hohe Studienqualität
  • erste Verhaltensintervention mit physiologisch (nicht nur subjektiv) verifizierter Reduktion von Hitzewallungen

Roberts, Rhodes & Elkins
2021

  • Sekundäranalyse derselben Kohorte (n=187) aus Elkins et al. 2013
  • Fokus auf Angst-Ergebnismaße (State-Trait Anxiety Inventory, HADS-Angst-Subskala)
  • einfach verblindet
  • signifikante Angstreduktion von Baseline bis Behandlungsende und Follow-up
  • Hypnosegruppe der Kontrollgruppe überlegen
  • Hypnotisierbarkeit moderierte den Effekt, alle Gruppen profitierten aber im Mittel

Sekundäranalyse

  • erster Beleg, dass die ursprünglich auf Hitzewallungen ausgerichtete Hypnose-Intervention auch Angstsymptome bei postmenopausalen Frauen lindert

Muñiz, Padilla, Alldredge & Elkins
2025

  • Scoping Review nach PRISMA-ScR
  • 23 Studien (1996–2022): 8 zu klinischer Hypnose, 15 zu KVT
  • Hypnose reduzierte Hitzewallungs-Häufigkeit um 63–80 % (physiologisch verifiziert bis 41 %) und -Schweregrad um ca. 50 %
  • KVT zeigte keine konsistente Reduktion von Häufigkeit/Schweregrad, verbesserte aber die Alltagsbeeinträchtigung
  • Hypnose der KVT bei direkter Symptomreduktion überlegen

Scoping Review

  • bislang umfassendste Synthese
  • laut Autor*innen mangels ausreichender RCT-Zahl keine formale Bias-Bewertung oder Meta-Analyse möglich

Elkins et al. 2025

  • multizentrische RCT
  • einfach verblindet
  • n=250 postmenopausale Frauen (davon ca. 25 % mit Brustkrebs-Vorgeschichte) mit ≥4 Hitzewallungen/Tag bzw. ≥28/Woche
  • 6 Wochen lang täglich für 20 Minuten selbst-administrierte Audio-Selbsthypnose vs. Schein-Hypnose (weißes Rauschen)
  • Follow-up nach 12 Wochen
  • Hitzewallungs-Score nach 6 Wochen: −53,4 % (Hypnose) vs. −40,9 % (Kontrolle)
  • Alltagsbeeinträchtigung: −49,3 % vs. −37,4 %
  • wahrgenommener Nutzen: 90,3 % vs. 64,3 %
  • Hitzewallungs-Score nach 12 Wochen −60,9 % (Hypnose) vs. −44,2 % (Kontrolle)
  • bei Brustkrebs-Überlebenden mit 64 % Reduktion sogar stärkerer Effekt

RCT

  • bislang größte RCT zu Hypnose bei Hitzewallungen
  • erstmals vollständig selbst-administriertes, niedrigschwelliges Format ohne Therapeut*innen-Kontakt geprüft

Leistungsfähigkeit unter Stress

  • Queirolo, L., Boscolo, A., Cracco, T. et al. Hypnosis reshapes multilevel stress response and enhances executive performance in stressed medical students. Sci Rep 16, 8844 (2026). https://doi.org/10.1038/s41598-026-40770-6

Libido

  • Aydin, S., Odabaş, O., Ercan, M., Kara, H., & Ağargün, M. Y. (1996). Efficacy of testosterone, trazodone and hypnotic suggestion in the treatment of non-organic male sexual dysfunction. British journal of urology, 77(2), 256–260. https://doi.org/10.1046/j.1464-410x.1996.86316.x

Medienabhängigkeit

  • Hutagalung, Perak & Lingga, Rugun & Silaban, Verawaty. (2025). The Effect of Self-Hypnosis on Mental Health Teenagers are Addicted to Social Media. Indonesian Journal of Global Health Research. 8. 425-432. 10.37287/ijghr.v8i1.634.

Migräne

  • Khazraee, H., Bakhtiari, M., Kianimoghadam, A. S., & Hajmanouchehri, R. (2023). The Effectiveness of Mindful Hypnotherapy on Psychological Inflexibility, Pain Acceptance, Headache Disability and Intensity in Females with Chronic Migraine Headache: A Randomized Clinical Trial. Life, 13(1), 131. https://doi.org/10.3390/life13010131
  • Éloïse Cardinal a c, Mathieu Landry h, Alexandra Chevestrier c, Marie Désilets d, Valentyn Fournier b c e, Floriane Rousseaux b c, Pierre Rainville f g 1, David Ogez. (2026) Medical hypnosis for migraine management: A systematic review. Complementary Therapies in Medicine Volume 99, August 2026, 103374 https://doi.org/10.1016/j.ctim.2026.103374

Prüfungsangst

Wenn Sie mehr zu Hypnose bei Prüfungsangst erfahren möchten, können Sie meinen Artikel „Hypnose bei Prüfungsangst: Wissenschaftlich belegt & gut umsetzbarlesen.

  • Baker, J., Ainsworth, H., Torgerson, C., & Torgerson, D. (2009). A systematic review and meta‐analysis of randomised controlled trials evaluating the effect of hypnosis on exam anxiety. Effective Education, 1(1), 27–41. https://doi.org/10.1080/19415530903043664
  • Zhang, Y., Yang, X. X., Luo, J. Y., Liang, M., Li, N., Tao, Q., Ma, L. J., & Li, X. M. (2022). Randomized trial estimating effects of hypnosis versus progressive muscle relaxation on medical students‘ test anxiety and attentional bias. World journal of psychiatry, 12(6), 801–813. https://doi.org/10.5498/wjp.v12.i6.801
  • Hammer, C. M., Scholz, M., Bischofsberger, L., Hammer, A., Kleinsasser, B., Paulsen, F., & Burger, P. H. M. (2022). Positive effects of medical hypnosis on test anxiety in first year medical students. Innovations in Education and Teaching International, 59(4), 472–482. https://doi.org/10.1080/14703297.2021.1886971
  • Pachaiappan, S., Tee, M. Y., & Low, W. Y. (2023). Hypnosis interventions for reducing test anxiety among students: A systematic review. Cogent Psychology10(1). https://doi.org/10.1080/23311908.2023.2281745

Platzangst (Agoraphobie)

  • Fuhr, K., Bender, A., Wiegand, A., Janouch, P., Drujan, M., Cyrny, B., Schweizer, C., Kreifelts, B., Nieratschker, V., & Batra, A. (2023). Hypnotherapy for agoraphobia-Feasibility and efficacy investigated in a pilot study. Frontiers in psychology, 14, 1213792. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2023.1213792

PTSD-Symptome


Raucherentwöhnung

Die Studienlage zu Hypnose zur Raucherentwöhnung ist äußerst ergiebig. Und liefert mehrdeutige Ergebnisse, die stark vom Format der Studie abhängen.

Ältere unkontrollierte Fallserien berichten hohe Erfolgsquoten, liefern aber kaum belastbare Wirksamkeitsaussage. Die einzige systematische Metaanalyse (Cochrane, Barnes et al. 2019) sieht über 14 randomisiert-kontrollierte Studien hinweg einen möglichen, aber statistisch noch nicht gesicherten Zusatznutzen gegenüber anderen Verhaltensinterventionen.

Eine methodisch besonders strenge Studie zum Format „Einzelne Gruppenhypnose-Sitzung“ fand keinen Vorteil gegenüber einer Gruppenentspannung – im reinen Gruppenformat scheint eine einzelne Sitzung allein nicht auszureichen.

Deutlich ermutigender sind dagegen individuellere, mehrsitzige Ansätze: Die bislang größte und aktuellste RCT (Batra et al. 2024) erzielte mit einem mehrwöchigen Hypnotherapie-Programm nach 12 Monaten Ergebnisse auf Augenhöhe mit einem etablierten verhaltenstherapeutischen Verfahren.

Hypnotherapie ist seit 2006 vom Wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie als wissenschaftliches Verfahren für Rauchentwöhnung anerkannt. Die aktuelle S3-Leitlinie der AWMF stuft sie als mögliche Behandlungsoption ein.

Studie

Design & Stichprobe
Ergebnisse

Einordnung

Spiegel
1970

  • 1 Sitzung (inkl. Selbsthypnose-Instruktion)
  • n=615
  • keine Kontrollgruppe
  • 6-Monats-Follow-up
  • 20% der Raucher waren nach 6 Monaten rauchfrei
  • weitere 20% rauchten nach 6 Monaten weniger

Historischer Ausgangspunkt

aus 2026-Sicht niedrige Studienqualität

Berkowitz, Ross-Townsend & Kohberger
1979

  • Replikationsstudie von Spiegels 1-Sitzungsstudie
  • n=40
  • ohne Kontrollgruppe
  • 6-Monats-Follow-up
  • 6-Monats-Abstinenzrate von ca. 25 % – vergleichbar mit Spiegels ursprünglichen Werten

Replikationsstudie

bestätigt Stabilität der Ergebnisse aus Fuhr et al. 2021

jedoch auch hier eher niedrige Studien-Qualität

Williams & Hall
1988

  • drei-armige RCT
  • im Rahmen eines betrieblichen Anti-Rauchprogramms
  • n=60 (20 Hypnose / 20 Placebo-Kontrolle / 20 unbehandelte Kontrolle)
  • 1 Sitzung à 2,5h
  • 40% der Hypnosegruppe (n=9) gaben direkt nach Studienende an abstinent zu sein
  • 45% der Hypnosegruppe gaben nach 48 Wochen an, rauchfrei zu sein
  • 0% der anderen Gruppen waren rauchfrei

RCT

hohes Bias-Risiko wegen Wartelisten-Kontrollgruppe (Kontrollarm wusste, später ebenfalls Hypnose zu erhalten)

Viswesvaran & Schmidt
1992

  • Meta-Analyse über 633 Studien zu Rauchentwöhnungsmethoden (n=71.806)
  • davon 48 Studien zu Hypnose (n=6.020)
  • Sitzungszahl je Einzelstudie variabel
  • Hypnose erzielte die höchste Erfolgsquote aller untersuchten Einzelmethoden (36 % nach 12 Monaten) – deutlich vor Nikotinkaugummi (16 %) und ärztlicher Kurzberatung (7 %)
  • 6.4% aller Rauchenden gelingt der Selbstentzug

Meta-Studie

Methodik von 1992, viel zitiert, allgemeine Metaanalyse, keine hypnosespezifische Einzelstudie

Spiegel, Frischholz, Fleiss & Spiegel
1993

  • Fallserie ohne Kontrollgruppe
  • n=226
  • 1 Sitzung
  • 2-Jahres-Follow-up
  • 52 % abstinent nach 1 Woche
  • 23 % noch abstinent nach 2 Jahren
  • Hypnotisierbarkeit und frühere Abstinenzerfahrung sagte 1-Wochen-Abstinenz voraus
  • Zusammenleben mit wichtiger anderer Person sagte 2-Jahres-Abstinenz voraus

Große Stichprobe

  • keine Kontrollgruppe
  • keine Randomisierung

Elkins & Rajab
2004

  • Fallserie ohne Kontrollgruppe
  • n=30 eingeschlossen / 21 behandelt
  • 3 individuelle Sitzungen
  • 81 % rauchfrei am Behandlungsende
  • 48 % noch abstinent nach 12 Monaten
  • 95 % Patientenzufriedenheit

Pilotstudie

  • keine Kontrollgruppe
  • Machbarkeitstest eines neuen 3-Sitzungen-Protokolls

Elkins, Marcus, Bates, Rajab & Cook
2006

  • RCT
  • n=20 randomisiert (Hypnose vs. Wartelisten-Kontrolle)
  • 8 individuelle Sitzungen über ca. 2 Monate
  • 40 % abstinent am Behandlungsende
  • 60 % nach 12 Wochen
  • 40 % nach 26 Wochen (jeweils CO-validiert)

Pilotstudie

  • Kontrollgruppe
  • Ergebnis biochemisch validiert

Carmody, Duncan, Simon et al.
2008

  • RCT
  • 2-armig (Hypnose vs. Verhaltensberatung)
  • n=286
  • 2 Sitzungen Hypnose (je 60 Min.) + Nikotinpflaster (NP) vs. 2 Sitzungen Verhaltensberatung + NP
  • Follow-up nach 6 und 12 Monaten
  • Nach 6 Monaten 29 % (Hypnose+NP) vs. 23 % (Verhaltensberatung+NP) abstinent
  • nach 12 Monaten 24 % vs. 16 %
  • Unterschiede nicht signifikant, aber Trend zugunsten Hypnose
  • bei Personen mit Depressionsgeschichte wirkte Hypnose+NP zur Raucherentwöhnung signifikant besser
  • Zahl der Durchhalter*innen war in der Verhaltensgruppe höher als in der Hypnose-Interventionsgruppe

RCT

  • methodisch sehr stark
  • geringes Bias-Risiko
  • Ergebnis biochemisch validiert

Dickson-Spillmann, Haug & Schaub
2013

  • RCT
  • n=223
  • je 1 Sitzung Gruppenhypnose vs. Gruppenentspannung
  • Nach 6 Monaten kein Unterschied in der Abstinenzrate (14,7 % vs. 17,8 %)
  • Hypnosegruppe berichtete weniger Entzugssymptome

RCT

  • methodisch sehr stark
  • geringes Bias-Risiko
  • Ergebnis biochemisch validiert

Batra et al.
2024

  • RCT
  • n=360 randomisiert an 2 Studienzentren
  • 6 Gruppensitzungen (je 90 Min., wöchentlich über 6 Wochen)
  • Hypnotherapie vs. etabliertes KVT-Programm
  • 12-Monats-Follow-up
  • Hypnose ist KVT bei Raucherentwöhnung nicht unterlegen
  • Kontinuierliche Abstinenz nach 12 Monaten: 15,0 % (Hypnose) vs. 15,6 % (KVT) – kein signifikanter Unterschied
  • Bei 7-Tage-Punktprävalenz leichter Vorteil für KVT (16,7 % vs. 21,2 %), v. a. bei Kontrolle für Hypnotisierbarkeit

RCT

  • Größte europäische Non-Inferioritäts-RCT
  • geringes Bias-Risiko
  • Ergebnis biochemisch validiert

Reizdarm und -magen (Funktionelle gastrointestinale Störung)

Reizdarm ist eines der am gründlichsten erforschten Anwendungsgebiet der klinischen Hypnose überhaupt. Die erste kontrollierte Studie stammt von 1984 aus Manchester; seither ist eine mittlerweile vierzig Jahre alte, international breit abgestützte Evidenzbasis entstanden, die von Großbritannien über Österreich, die Niederlande, Frankreich und Russland bis nach China, Japan und Südkorea reicht.

Für den Reizmagen (funktionelle Dyspepsie) ist die Studienlage dagegen deutlich dünner und stützt sich im Kern auf eine einzige, aber methodisch sorgfältige RCT.

Die jährlichen Studienübersichten von Dr. Maria Hagl im Auftrag der M.E.G. haben das Thema wiederholt aufgegriffen: 2015 wurde die Meta-Analyse von Schaefert et al. als eine von wenigen mit insgesamt niedrigem Verzerrungsrisiko hervorgehoben; 2017 und 2018 diskutierte Hagl neuere pädiatrische und add-on-Designs (u. a. Rutten et al., Berens et al.) vor dem Hintergrund der bereits gut etablierten Wirksamkeit der reinen Bauchhypnose, auch im Gruppensetting; 2019 war die IMAGINE-Studie (Flik et al.) einer von zwei zentral besprochenen RCTs des Jahres; 2021 hob sie die große Non-Inferiority-Studie von Hasan et al. zu 6 vs. 12 Sitzungen hervor. Auch die M.E.G. selbst nennt „Bauchhypnose bei Reizdarmsyndrom“ auf ihrer Wissenschaftsseite explizit als eines der am besten belegten Einsatzgebiete für die begleitende Behandlung somatischer Beschwerden – auch wenn Hypnotherapie beim Reizdarm (anders als bei Schmerz und Prozedurenangst) keine eigenständig durch den Wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie (WBP) anerkannte Indikation ist.

Studie

Design & Stichprobe
Ergebnisse

Einordnung

Whorwell, Prior & Faragher
1984

  • RCT
  • n=30, schwer betroffene Reizdarm-Patient:innen
  • Hypnose vs. Psychotherapie + Placebo
  • je sieben 30-minütige Sitzungen über 3 Monate + Audiohypnose
  • Hypnosegruppe mit bedeutenden Verbesserungen bei Schmerz, Blähbauch und Wohlbefinden
  • Ergebnisse auch im 3-Monats-Follow-up bestätigt

Historischer Ausgangspunkt

  • Kleine Stichprobe
  • methodisch verbesserungswürdig

Calvert, Houghton, Cooper, Morris & Whorwell
2002

  • RCT
  • 3-armig
  • n=126
  • Reizmagen/Dyspepsie-Patient:innen
  • Hypnose vs. supportive Therapie + Placebo vs. Ranitidin
  • 16 Wochen + 40 Wochen Follow-up
  • Hypnosegruppe kurz- und langfristig signifikant bessere Symptomatik und Lebensqualität als supportive Therapie und Placebo
  • niemand brach die Hypnosebehandlung mangels Wirkung ab (vs. 13 bzw. 10 in den anderen Armen)

RCT

  • bislang einzige große RCT speziell zum Reizmagen (Reizdarm-Evidenz ist deutlich breiter)

Gonsalkorale, Miller, Afzal & Whorwell
2003

  • Follow-up derselben Manchester-Kohorte
  • n=204
  • 71 % initiales Ansprechen; davon 81 % auch Jahre später noch verbessert

Follow-up

  • Ergebnisse bestätigt
  • Ergebnisse lang anhaltend

Moser, Trägner, Gajowniczek et al.
2013

  • RCT
  • n=100 therapieresistente Patient:innen
  • Gruppenhypnose (10 Sitzungen/12 Wochen) vs. supportive Gespräche + medizinische Standardbehandlung
  • 12-Monats-Follow-up
  • Signifikant bessere Lebensqualität und IBS-Impact-Werte in der Hypnosegruppe
  • auch im Langzeit-Follow-up

RCT

  • zeigt Wirksamkeit auch im Gruppenformat

Schaefert, Klose, Moser & Häuser
2014

  • Hypnose bei Reizdarmsyndrom
  • deutsch-österreichisches Team (Heidelberg, Essen, Wien, Saarbrücken/München)
  • untersuchte RCTs, die vor Juni 2013 erschienen sind
  • Hypnose sicher und wirksa
  • langfristig adäquate Symptomlinderung bei 54 % der therapieresistenten Patient:innen

Metaanalyse deutschsprachiger Raum

  • laut Hagl (2015) eine der wenigen mit niedrigem Bias-Risiko

Reizdarm, auch Reizdarmsyndrom (IBS) genannt, ist eines der am besten belegten Anwendungsgebiete der Hypnose. Über mehrere Jahrzehnte, Länder und Sprachräume hinweg zeigt sich, dass Bauchhypnose nach dem Manchester- oder North-Carolina-Protokoll bei mittelschweren bis schweren, therapieresistenten Verläufen zu Ansprechraten zwischen 40 und über 80 % führt, mit einer langen Wirkdauer von mehreren Jahren.

Bemerkenswert ist, dass Gruppenhypnose der Einzelhypnose in mehreren großen Studien nicht unterlegen war – das erleichtert den praktischen Zugang erheblich und wird in fast allen aktuellen Metaanalysen positiv hervorgehoben.

Für den Reizmagen (auch als funktionelle Dyspepsie bekannt) ist die Datenlage dagegen deutlich schmaler und stützt sich im Kern auf die Studie von Calvert et al. (2002); weitere große RCTs scheinen bislang noch nicht vorhanden. International anerkannte Leitlinien (u. a. NICE in Großbritannien, die American Gastroenterological Association) empfehlen Hypnose entsprechend als evidenzbasierte Option beim therapieresistenten Reizdarm, während die Evidenz beim Reizmagen für eine vergleichbar starke Empfehlung noch nicht ausreicht.

In Deutschland ist Bauchhypnose zwar keine eigenständig vom WBP anerkannte Indikation, gilt laut M.E.G. aber als eine der am besten belegten begleitenden Anwendungen von Hypnose bei somatischen Beschwerden. Auffällig ist außerdem, wie international breit dieses Feld beforscht wird – von Österreich und den Niederlanden über Frankreich und Russland bis nach Ostasien –, was für ein robustes, kulturübergreifend replizierbares Phänomen spricht statt für einen reinen Placebo-Effekt.

Außerdem kann folgender Artikel im deutschen Ärzteblatt interessant sein: Webartikel „Trance gegen Bauchweh: Die Wirksamkeit medizinischer Hypnose“ in: Deutsches Ärzteblatt 5/2016 (aufgerufen am 21.4.2026)


Schlafprobleme

Die Forschung zu Hypnose bei Schlafproblemen reicht von kontrollierten Studien in Großbritannien Ende der 1970er-Jahre (Anderson, Dalton & Basker, 1979; Stanton, 1989) über eine seit 2014 sehr aktive experimentelle Forschungslinie an den Universitäten Zürich und Freiburg (Schweiz) unter Björn Rasch und Maren Cordi – die im Schlaflabor per EEG zeigen konnte, dass hypnotische Suggestionen den Tiefschlafanteil (Slow-Wave-Sleep) messbar verlängern, bei älteren Menschen um bis zu 57 % – bis zu klinischen RCTs aus den USA (vor allem die Arbeitsgruppe um Gary Elkins, Baylor University) und Hongkong (Lam & Chung).

Am besten belegt sind Effekte auf die subjektive Schlafqualität und die Einschlaflatenz; für die objektive Gesamtschlafdauer ist die Befundlage gemischter. Die bislang einzige Meta-Analyse (Lam et al., 2015; 13 RCTs, n=502) fand eine signifikant verkürzte Einschlaflatenz gegenüber Wartelisten-Kontrollen, jedoch keinen Unterschied gegenüber Scheinhypnose, bei insgesamt niedriger methodischer Qualität der eingeschlossenen Studien.

Der aktuellste systematische Review (Wofford et al., 2023; 44 Studien) bestätigt ein insgesamt uneinheitliches, aber überwiegend positives Bild, das sich deutlich verbessert (54,5 % statt 47,7 % positive Befunde), wenn Studien Schlafstörung als Einschlusskriterium und schlafspezifische Suggestionen verwenden. Sowohl die europäische Leitlinie der European Sleep Research Society als auch die deutsche S3-Leitlinie „Nicht erholsamer Schlaf/Schlafstörungen“ nennen Hypnotherapie als vielversprechenden, der Kognitiven Verhaltenstherapie für Insomnie (KVT-I) evidenzmäßig aber unterlegenen Ansatz.

Studie

Design & Stichprobe
Ergebnisse

Einordnung

Hurwitz et al.
1991

  • Retrospektive Fallserie
  • n=27 erwachsene Patient:innen mit Schlafwandeln/Pavor nocturnus (Parasomnien)
  • Instruktion in Selbsthypnose
  • 1–6 Sitzungen
  • 74 % berichteten deutliche bzw. sehr deutliche Besserung über längere Nachbeobachtungszeiträume

Fallserie

  • ohne Kontrollgruppe

Hauri, Silber & Boeve
2007

  • Replikation/Erweiterung von Hurwitz et al. 1991
  • n=36 (17 Frauen, davon 4 Kinder) mit chronischen Parasomnien
  • 1–2 Hypnosesitzungen
  • 5-Jahres-Follow-up per Fragebogen
  • 45,4 % symptomfrei/deutlich gebessert nach 1 Monat
  • 42,2 % nach 18 Monaten
  • auch physiologisch per Hautleitfähigkeit verifizierte Reduktion
  • 40,5 % nach 5 Jahren – Effekt hält an, nimmt aber leicht ab

Follow-up-Fallserie

  • legt 1–2 Sitzungen als mögliche Unterstützung bei bestimmten Parasomnien nahe

Cordi, Schlarb & Rasch
2014

  • Placebo-kontrolliertes Cross-over-Experiment im Schlaflabor
  • n=70 gesunde junge Frauen
  • 90-Minuten-Mittagsschlaf mit High-Density-EEG nach Hypnose-Audiotext („tiefer schlafen“) vs. Kontrolltext
  • Signifikant verlängerte Tiefschlafdauer (Slow-Wave-Sleep) und erhöhte Slow-Wave-Aktivität nach hypnotischer Suggestion
  • Kontrollexperimente schlossen reine Erwartungseffekte als Erklärung aus

Experimentalstudie

  • methodisch strenge Grundlagenarbeit
  • gesunde Probandinnen

Cordi et al.
2015

  • Placebo-kontrolliertes Cross-over-Design
  • n=42
  • gesunde ältere Frauen (60-82 Jahre)
  • High-Density-EEG während Mittagsschlaf
  • Tiefschlafanteil um 57 % erhöht
  • verbesserte präfrontale kognitive Leistungsfähigkeit nach vertieftem Schlaf
  • weniger suggestible Teilnehmerinnen profitierten nicht

Experimentalstudie

  • überträgt den Effekt von Cordi et al. 2014 auf eine ältere, kognitiv vulnerablere Gruppe

Lam et al.
2015

  • Erste systematische Übersicht mit Meta-Analyse zu Hypnose bei Insomnie
  • 13 RCTs
  • n=502
  • untersucht RCT’s vor März 2014
  • Signifikant verkürzte Einschlaflatenz ggü. Warteliste
  • kein Unterschied ggü. Scheinhypnose
  • 6 von 13 Studien mit hohem Bias-Risiko in mind. einer Domäne

Metaanalyse

  • bislang einzige gepoolte Effektschätzung
  • methodische Qualität der Einzelstudien teils niedrig

Chamine, Atchley & Oken
2018

  • Systematisches Review
  • 139 gesichtete Abstracts
  • 24 RCTs/prospektive Studien eingeschlossen
  • Hypnose bei Schlafproblemen oder komorbiden Erkrankungen mit Schlaf als Zielgröße
  • Überwiegend positive, aber heterogene Effekte auf Schlafparameter
  • niedrige Rate an Nebenwirkungen
  • Qualität der Einzelstudien durchweg gering, wenige Studien mit Schlafproblemen als primärem Einschlusskriterium

Systematisches Review

  • eine der meistzitierten Übersichtsarbeiten zum Thema

Lam et al.
2018

  • RCT
  • teilnehmerverblindet
  • Parallelgruppen-Design
  • n=60
    4-wöchentliche einstündige Sitzungen: generische vs. insomniaspezifische Hypnose-Suggestionen
  • Beide Suggestionsarten gleichermaßen wirksam (signifikanter Zeiteffekt, kein Gruppenunterschied)
  • stellt den Zusatznutzen insomniaspezifischer Suggestionen infrage

RCT

  • hohe Studienqualität

Elkins et al. 2021

  • Vier-armige Machbarkeitsstudie
  • n=90
  • postmenopausale Frauen mit Schlafproblemen
  • randomisiert zu 4 Dosis-/Vermittlungsformen (5x/3x persönlich, 5x/3x telefonisch)
  • je 5 Wochen tägliches Audio
  • Hohe Behandlungszufriedenheit und -adhärenz in allen 4 Armen
  • klinisch bedeutsame Verbesserung der Schlafqualität (η²=0,70) ohne Unterschied zwischen den Dosis-/Vermittlungsformen
  • telefonische Vermittlung ebenso wirksam wie persönliche Sitzungen

Machbarkeitsstudie

  • ohne reine Kontrollgruppe (alle 4 Gruppen erhielten Hypnose)
  • zeigt niedrigschwellige Zugangswege auf

Schlafverbesserung

  • Friesen, E., Sopp, M.R., Cordi, M.J. et al. Sleep-Directed Hypnosis Improves Subjective Sleep Quality but not Extinction Memory After Exposure to Analog Trauma. Cogn Ther Res 47, 255–268 (2023). https://doi.org/10.1007/s10608-022-10345-6
  • Wofford, N., Snyder, M., Corlett, C. E., & Elkins, G. R. (2023). Systematic Review of Hypnotherapy for Sleep and Sleep Disturbance. The International journal of clinical and experimental hypnosis, 71(3), 176–215. https://doi.org/10.1080/00207144.2023.2226177
  • Elkins, G., Padilla, V. J., Otte, J., Sanford, K., Benge, J., Stevens, A., … Ekanayake, V. (2024). Hypnosis Intervention for Sleep Disturbances in Individuals with Mild Cognitive Impairment: A Randomized Pilot Study. International Journal of Clinical and Experimental Hypnosis, 72(1), 16–28. https://doi.org/10.1080/00207144.2023.2279672
  • Wofford, N., Rausch, C. R., & Elkins, G. R. (2024). Aging Adults’ Willingness, Preferences, and Access to Self-Hypnosis for Sleep: A Cross-Sectional Survey. International Journal of Clinical and Experimental Hypnosis, 72(2), 139–154. https://doi.org/10.1080/00207144.2024.2324167

Vielleicht finden Sie dieses Video von Prof. Björn Rasch zur Selbstwirksamkeit bei Schlafschwierigkeiten interessant: https://youtu.be/jH6MJUwchcQ?si=jl4prICRlyyL14PK

Schmerz

Soziale Angst

  • Zhang, H., Xue, X., Wen, J., Li, Y., Fan, C., Ma, L., Wang, H., Zhang, M., Zhang, S., Hu, D., Wang, K., & Li, X. (2024). Hypnotherapy modulating early and late event-related potentials components of face processing in social anxiety. Frontiers in psychiatry, 15, 1449946. https://doi.org/10.3389/fpsyt.2024.1449946

Stress


Tinnitus

Tinnitus (lat. tinnire = klingeln) bezeichnet die Wahrnehmung von Geräuschen im Ohr oder Kopf ohne eine wirkliche äußere Ursache. Man unterscheidet den sehr seltenen objektiven Tinnitus (tatsächlich im Körper erzeugte, z. B. ärztlich mit dem Stethoskop hörbare Geräusche) vom weit überwiegenden subjektiven Tinnitus, der nur von den Betroffenen selbst wahrgenommen wird und einer Phantomwahrnehmung des Hörsystems entspricht. Nach der Dauer wird zwischen akutem (< 3 Monate) und chronischem Tinnitus (> 3 Monate) unterschieden; nach der Ursache zwischen primärem/idiopathischem Tinnitus (keine Ursache feststellbar) und sekundärem Tinnitus (z. B. nach Hörsturz, Lärmtrauma oder Trommelfellriss).

Schätzungen zufolge sind 10–15 % der Bevölkerung zumindest zeitweise von Tinnitus betroffen; in Deutschland gelten rund 2–3 Millionen Menschen als chronisch betroffen, bei etwa 1 % der Gesamtbevölkerung führt er zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Lebensqualität. Der wichtigste Risikofaktor ist Schwerhörigkeit (über 90 % der Betroffenen haben einen zumindest geringgradigen Hörverlust), die Häufigkeit des Symptoms steigt mit dem Lebensalter, Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen. Chronischer Tinnitus kann mit Ängsten, depressiven Symptomen und Schlafstörungen einhergehen. Da eine Beseitigung des Geräuschs nur beim seltenen objektiven Tinnitus (s.o.) möglich ist, zielen die meisten Therapieansätze beim häufigen subjektiven Tinnitus nicht auf dessen Verschwinden, sondern auf Habituation – eine Gewöhnung. Dabei tritt das Geräusch im Alltag zunehmend in den Hintergrund und der Leidensdruck sinkt. Hier setzen auch die meisten der unten aufgeführten Hypnose-Studien an: Gemessen wird überwiegend die Belastung durch den Tinnitus.

Im Vergleich zu Reizdarm oder Fibromyalgie ist die Forschung zu Hypnose bei Tinnitus kleinteiliger geblieben: Fallstudien zur erfolgreichen Behandlung des seltenen objektiven Tinnitus mittels Hypnose gehen auf die 1940er zurück. Die Hypnoseforschung zum subjektiven Tinnitus scheint erst in den 1950ern etwas Fahrt aufzunehmen. Anfangs auch hier als Fallstudien – jedoch auch später handelt sich fast durchweg um kleine bis mittelgroße Studien einzelner Arbeitsgruppen, z.B. aus Großbritannien, Israel, den USA, Deutschland und Belgien.

Eine gepoolte Metaanalyse oder ein Cochrane-Review zu Hypnose speziell bei Tinnitus existiert bislang nicht, anders als etwa bei Reizdarm oder Depression. Namhafte Tinnitus-Forschungszentren in den Niederlanden, Italien, Spanien oder Frankreich haben – soweit mit bekannt – noch keine eigenen kontrollierten Studien zu Hypnose beigetragen. Häufig mituntersuchteangrenzende Symptome sind Angst, Depression, Schlafstörungen sowie die gesundheitsbezogene Lebensqualität.

Studie

Design & Stichprobe
Ergebnisse

Einordnung

Brattberg
1983

  • n=32 mit bis dahin behandlungsresistentem Tinnitus
  • 1-stündige Erstkonsultation (inkl. Anamnese, Aufklärung, 1. Hypnosesitzung mit Aufzeichnung auf Kassette)
  • 4 Wochen tägliches Training zu Hause mit der selbst aufgenommenen 15-minütigen Hypnose-Kassette
  • Zweite Konsultation nach 1 Monat (30 Minuten, Besprechung der Ergebnisse)
  • 69 % lernten innerhalb eines Monats, das Störgeräusch zu ignorieren
  • davon 3 als „komplett geheilt“
  • 50% spürten Resultate auch nach 10 Monaten noch

unkontrollierte Studie

  • sehr kleine Stichprobe
  • hohes Bias-Risiko

Marks, Karl & Onisiphorou
1985

  • Kontrollierte Studie
  • n=14
  • chronischer therapieresistenter einseitiger Tinnitus
  • alle Patient:innen erhielten nacheinander 3 Hypnoseformen in randomisierter Reihenfolge (Trance-Induktion allein als Kontrollbedingung, Ich-Stärkung, aktive Tinnitus-Unterdrückung)
  • 36 % empfanden bereits die reine Trance-Induktion als hilfreich für die Tinnitus-Toleranz (Lautstärke/Qualität unverändert)
  • 1 Patient mit „hochsignifikantem“ Ansprechen auf Hypnose mit Tinnitus-Unterdrückung
  • kein Ansprechen auf Hypnose mit Ich-Stärkung

kontrollierte Studie

  • sehr kleine Stichprobe
  • keine statistisch gesicherten Gruppenunterschiede

Attias et al.
1990

  • RCT
  • n=36 Männer
  • randomisierte Zuteilung zu 4 Sitzungen Selbsthypnose vs. Masking (weißes Rauschen als Tinnitus-Überdecker)(je ~50 Minuten vs. Wartelisten-Kontrollgruppe
  • 2-Monats-Follow-up
  • 73 % der Selbsthypnose-Gruppe berichteten über Verschwinden des Tinnitus unmittelbar nach Sitzungen (vs. 24 % Masking-Gruppe )
  • nur Selbsthypnose-Gruppe mit signifikanter kurz- (1 Woche) und langfristiger (2 Monate) Reduktion der Symptome

Frühe RCT

  • kleine Stichprobe
  • Vorläuferstudie zu Attias et al. 1993

Attias et al.
1993

  • RCT
  • n=45 Männer
  • 15 pro Gruppe
  • Tinnitus infolge Lärmtrauma
    Audio-Selbsthypnose vs. Audio-Masking vs. Aufmerksamkeitszuwendung („Attentiveness“)
  • Masking allein statistisch unwirksam
  • Aufmerksamkeitszuwendung teilweise hilfreich
  • Selbsthypnose-Gruppe signifikant besser auf 7 von 10 erfassten Beschwerden gegenüber den zusammengefassten Kontrollgruppen

RCT

  • Replikation von Attias et al. 1990 mit größerer Stichprobe
  • Signifikanz nur bei zusammengefassten Kontrollgruppen;
  • Ergebnismaß gilt als nicht validiert

Mason, Rogerson & Butler
1996

  • RCT
  • 2-armig
  • n=86
  • randomisierte Zuteilung zu einer Sitzung Beratung bei Tinnitus vs. drei Sitzungen „client-centred“ Hypnotherapie
  • Follow-up nach 3 Monaten
  • beide Gruppen mit signifikanter Verbesserung auf allen quantitativen Maßen
  • kein signifikanter Gruppenunterschied
  • mehr Personen in der Hypnosegruppe berichteten „allgemeines Besserungsgefühl“ (46 % vs. 14 %)

RCT mit aktiver Kontrollgruppe

  • methodisch stärker als frühere Arbeiten
  • spricht eher für Gleichwertigkeit mit etablierter Kurzberatung als für spezifische Überlegenheit von Hypnose

Ross et al.
2007

  • Prospektive, kontrollierte Verlaufsstudie (nicht randomisiert)
  • n=393
  • 28-tägiges stationäres Multimodal-Konzept auf Basis Ericksonscher Hypnose
  • Wartelisten-Kontrollen
  • Follow-up nach 6/12 Monaten
  • Rückgang des Tinnitus-Fragebogen-Scores bei 90,5 % (subakut) bzw. 88,3 % (chronisch) der Behandelten
  • hochsignifikante mittlere Verbesserung um 15,9/14,1 Punkte
  • Effektstärken (0,94/0,80) deutlich über Wartelisten-Kontrollen (0,14/0,23)
  • Ergebnisse im Follow-up stabil
  • Lebensqualität verbesserte sich je nach initialem Schweregrad

Größte bislang vorliegende Stichprobe

  • kein RCT
  • Wartelisten-Kontrollgruppe methodisch angreifbar (keine vergleichbare Zuwendungszeit)

Insgesamt liefert die seit 1983 über viele Länder verstreute Studienlage konsistente Hinweise darauf, dass Hypnose bei einem Teil der Tinnitus-Betroffenen die subjektive Belastung, Lebensqualität und angrenzende Symptome wie Angst, Depression und Schlafstörungen verbessern kann, ohne dass sich Lautstärke oder objektive Wahrnehmung des Ohrgeräuschs selbst zuverlässig verändern. Methodisch handelt es sich überwiegend um kleine, unkontrollierte oder nur schwach kontrollierte Verlaufsstudien. Placebokontrollierte RCTs mit ausreichender Fallzahl fehlen bis heute, und selbst die größte Stichprobe (Ross et al. 2007, n=393) verglich nur mit einer Wartelistengruppe statt einer aktiven Kontrollbedingung. Die methodisch strengste Arbeit, die randomisierte Studie von Mason et al. (1996), fand trotz geringer messbarer Unterschiede zwischen Beratungs- und Hypnosegruppe – ein größeres „allgemeines Besserungsgefühl“ in der Hypnosegruppe und schließt, „dass der Einsatz von Hypnose im Vergleich zu einer Beratungssitzung eindeutig zu einer deutlich besseren subjektiven Linderung der Tinnitus-Symptome führt„.

Allerdings muss dieser Befund in ein größeres Bild der gesamten Tinnitus-Behandlungsforschung eingefügt werden. Dobie (1999) kam nach Sichtung von 69 RCTs zu sämtlichen gängigen Behandlungen bei Tinnitus – von Antikonvulsiva über Psychotherapie bis Hypnose – zum Schluss, keine Methode sei bislang über Placebo-Niveau hinaus etabliert. Ein aktuelles Update der Studienlage von Langguth et al. (2023) bestätigt diesen Befund im Kern, wobei sich seit 1999 eine Ausnahme herauskristallisiert hat: kognitive Verhaltenstherapie, die – gestützt auf einen Cochrane-Review inzwischen von praktisch allen aktuellen Leitlinien als bislang einzige Methode uneingeschränkt empfohlen wird.

So nimmt es nicht Wunder, dass die deutsche S3-Leitlinie „Chronischer Tinnitus“ in erster Linie kognitive Verhaltenstherapie empfiehlt und Hypnose nicht als eigenständig evidenzbasierte Therapieoption nennt. Auch aktuelle englischsprachige Übersichten (u. a. Tinnitus UK, Stand 2024) kommen daher zu dem Schluss, dies bleibe ein unterbeforschtes Feld mit vielversprechenden, aber noch nicht ausreichend abgesicherten Einzelbefunden.

Warzen (Verruca vulgaris)

Erklärungen: n – Anzahl der Versuchspersonen | HT – Hypnosetherapie | KVT – Kognitive Verhaltensterapie | RCT – Randomized Controlled Trial (randomisierte Kontrollstudie) experimentelles Studiendesign, Goldstandard der empirischen Forschung | monozentrisch – findet vollständig an einem einzigen Studienzentrum statt | rater-blind – Person, die Testergebnisse oder Antworten bewertet, weiß nicht, zu welcher Gruppe (Testgruppe oder Kontrollgruppe) die Versuchsperson gehört | zweiarmig – Teilnehmer in zwei Gruppen (Arme) unterteilt: Experimentalgruppe erhält die neue Behandlung, während die Kontrollgruppe eine Standardbehandlung oder Placebo erhält | Bias – die Ergebnisse von Studien können durch Voreingenommenheit der Forschenden, Ausstattung der Studienorte, Normen innerhalb von Wissenschaftler*innen-Gruppen etc. beeinflusst werden, z.B. wenn eine überzeugte Studienleiterin eine mehrdeutige Selbstauskunft wie „ich hab kaum noch geraucht“ bei der Hypnose-Gruppe eher als „abstinent“ wertet als bei der Kontrollgruppe. | Fallserie – Sammlung von Berichten über mehrere Patienten mit ähnlichem Problem, die dieselbe Behandlung bekommen haben, ohne Vergleichsgruppe oder Zufallszuteilung.

Mein Name ist Torsten Philipp. Ich bin zertifizierter Hypnose-Coach, Hypnosystemischer Berater und Therapeut, Diplom-Sozialpädagoge sowie Heilpraktiker auf dem Gebiet der Psychotherapie.


Ich biete Hypnose und Hypnosystemische Beratung und Therapie in Leipzig zu großen und kleinen Lebensthemen an. Nehmen Sie gerne Kontakt mit mir auf.

Torsten Philipp - Hypnosecoach und Hypnosetherapeut - Portrait